Wo es das Theaterstück zur Stunde gibt

Gemeinsam gegen die Illusionslosigkeit: Ensemble für Unpopuläre Freizeitgestaltung und Theater Wagabunt bieten Becketts „Endspiel“.
Dornbirn Die Illusionslosigkeit steht als großer Begriff über dem 1957 uraufgeführten Stück „Endspiel“ von Samuel Beckett. Auf deutschsprachigen Bühnen konnte es sich erst zehn Jahre später etablieren, seitdem hielt sich der Klassiker des Absurden Theaters aber in den Spielplänen und bietet den jeweiligen Säulen eines Ensembles viele Möglichkeiten, das zu entfachen, was Beckett in den Fokus stellte, nämlich das Spielen in der Illusionslosigkeit. Es als Anspielen gegen das Ende zu verstehen, wäre bereits ein eigenwilliger Interpretationsansatz. Stephan Kasimir, Regisseur der “Endspiel”-Produktion, für die sich sein eigenes Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (kurz: Unpop) mit dem schon weitaus länger bestehenden kleinen Theater Wagabunt zusammengeschlossen hat, legt sich da auch nicht fest. Nach der erfolgreichen Realisierung von “Warten auf Godot” in derselben Konstellation war es nur eine Frage der Zeit, bis “Endspiel” kommt. Das Team von Unpop und Wagabunt hatte jedenfalls den richtigen Riecher, Becketts Spiel in der Unbeweglichkeit, in der seine Protagonisten Clov und Hamm dahinvegetieren, erweist sich als Stück der Stunde.

Am Donnerstagabend, als die Premiere im TiK, dem kleinen, aber durchaus tauglichen Theaterraum in der alten Dornbirner Stadthalle stattfand, waren die schärferen Pandemie-Verordnungen noch so druckfrisch, dass das Publikum das nun angesagte dauernde Tragen des Mund-Nasenschutzes noch weitgehend unterließ. Ob es trotz Abstandhalten und freigelassenen Stühlen zwischen den Besuchern aber demnächst überhaupt noch möglich sein wird, Theater zu spielen, kann niemand sagen. Ein weiteres Verbot aller Veranstaltungen droht. Was das Untersagen von gemeinsamen Begegnungen und intellektuellen Auseinandersetzungen über längere Zeit in uns bewirkt, das wissen wir abgesehen von der Existenzgefährdung von Künstlern alle nicht.
Mit Sogwirkung
Diese Fragen standen im Raum als Kasimir Clov und Hamm im gezeichneten Bühnenkäfig von Caro Stark erst einmal die Spielsituation vortragen ließ. Mit schon lädierter Clownsschminke wurde betont, dass man dem Ende hier mit einer Art trockenem Humor begegnet. Hamm ist, wie wir wissen, blind und an den Rollstuhl gefesselt, Clov ebenfalls fast bewegungslos und Hamms Eltern hausen in Mülltonnen, die hier Abwürfe sind. Mit Härte, nie mit Zynismus, verdeutlichen Wolfgang Pevestorf und Robert Kahr die gegenseitige Abhängigkeit in diesem Endzeit-Setting. Die Rollen ein wenig einzufärben, wird ihnen nicht gegönnt, die Erzeugung von Sogwirkung, die ihnen gelingt, ist umso begeisternder. Auch wenn einige Kürzungen und dass Pevestorf auch die Eltern zu spielen hat, nicht nachvollziehbar sind, ist es ein “Endspiel”-Projekt, das guttut.
Weitere Aufführungen von „Endspiel“ am 24. Oktober, 20 Uhr; 25. Oktober, 17 Uhr, 29., 30. und 31. Oktober, 20 Uhr, im TiK (Jahngasse) in Dornbirn.