Ein wenig Splatter, viel Spannung

Kultur / 23.10.2020 • 18:24 Uhr
Ein wenig Splatter, viel Spannung

Martin G. Wanko ersetzt mit „Eisen­hagel“ den heuer wohl eher abgesagten Krampuslauf.

Roman „Es gibt für mich nichts Unangenehmeres als diese alten Ranzpansen, die auf junge Frauen abfahren“, sagt Martin G. Wanko. Das hört man gern. Während der österreichische Autor als Dramatiker sehr komplexe, auch politische Themen aufgreift, bewegt er sich als Romanschriftsteller im Bereich des Krimis und Thrillers. „Bregenzer Blutspiele“ heißt ein früheres Werk, das unter anderem das Bodenseeufer mit der Seebühne zum Schauplatz hat, „Eisenhagel“ spielt im Osten Österreichs. Man muss dabei nicht unbedingt an das steirische Eisenerz denken, aber ein Ort, an dem Krampusläufe stattfinden, sollte schon vor dem inneren Auge entstehen, um die Geschichte auf die Reihe zu kriegen. Sie handelt von der jungen Jenny, einer Krankenschwester, der vor Jahren etwas widerfahren sein muss, das sie nicht einordnen kann. Sie vertraut sich einem Psychologen an, der ihr mit Hyponose-Sitzungen auf die Sprünge helfen will.

Richtig böse sind in „Eisenhagel“ einige, das Gute ist allerdings auch nur spärlich verteilt. Somit ist auch der Doktor nicht  einfach nur ein hilfreicher Mensch, und selbst Jenny hat ihre dunklen Seiten. Was einst geschehen ist, liegt fast auf der Hand wie die Tatsache, dass ein Pfarrer zu den Schuldigen zählt, und wenn sich am Ende bei einem Krampuslauf einige Fragen beantworten lassen, so steht Jenny doch mit der Erkenntnis da, dass sie die engsten Freunde hintergangen haben und dass die Geschichte somit noch kein Ende hat.

Martin G. Wanko ist das recht so, denn er denkt auch an eine Fortsetzung. Grundsätzlich war es ihm aber wichtig, dass die Handlung in Bewegung bleibt, dass die Leser stets Spannung erfahren: „Ich wollte keine Geschichte, die von A bis Z spaziert.“ Noch etwas gehört zu seinem Prinzip: „Wenn man im ersten Teil die Knarre auspackt, dann muss sie im zweiten auch verwendet werden.“ Das versteht sich von selbst, Eisenhagel wird zwar idyllisch beschrieben, der Ort hat aber auch etwas Gespenstisches. VN-cd

“Eisenhagel. Der Krampuslauf”, Martin G. Wanko, Keiper, 245 Seiten.