Ein Austausch und eine Rückkehr

Arbeiten der Stipendiaten Francesco Navarrete Sitja, Patricia Dauder und Evamaria Müller.
BREGENZ Ein Künstleraustausch mit der Organisation Hangar.org in Barcelona und eine dreimonatige Rückkehr ins Land für weggezogene Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler: Seit diesem Jahr vergibt das Land Vorarlberg in Zusammenarbeit mit der Stadt Bregenz und der Berufsvereinigung Bildender Künstler zwei Stipendien. Produktionsort und Arbeitsstätte ist das Atelier in der Remise des Palais Thurn und Taxis. Dort und im Kunstschaufenster in der Jahnstraße in Bregenz sind die hier entstandenen Arbeiten zu sehen.
Bereits im Frühjahr hat Evamaria Müller (1988) ihr Atelier nach Bregenz, oder besser an die Ill verlegt. Die in Wien lebende und arbeitende Vorarlberger Soundkünstlerin hat sich den Fluss erwandert und am sowie im Wasser mit Mikrophonen und Hydrophonen seine Geräusche aufgenommen. Dabei hat sie nicht nur einen völlig neuen Blick auf ein unbekanntes Stück Heimat erhascht, durch das Konsumieren der Klanglandschaft in Quarantäne hat ihre Arbeit eine stark immersive Qualität für sie entwickelt. In der 15-minütigen Video-Soundinstallation treffen die an der Ill aufgenommenen O-Töne auf die am Fluss gesammelten Objekte und mit Instrumenten im Studio erzeugten Sounds, stimmig unterlegt mit Fotos des Arbeitsprozesses.
Mit Sonnenlicht gearbeitet
Wasser und Berge sind auch das Thema von Francesco Navarrete Sitja (1986), der im Rahmen des Barcelona-Austauschs ebenso wie seine Kollegin Patricia Dauder die vergangenen zwei Monate in Bregenz verbracht hat. Der gebürtige Chilene hat die Zeit intensiv genutzt, um ein Langzeitprojekt weiterzuentwickeln und das im vergangenen Jahr während eines Stipendiums in der Schweiz gesammelte Material zu sichten, ergänzen und erste künstlerische Arbeiten daraus zu generieren. Ausgehend vom Konzept der „Chilenischen Schweiz“, wie eine Region im Süden seines Heimatlandes bezeichnet wird, untersucht und erforscht der Künstler in verschiedenen Medien und Materialien Aspekte wie Natur und Identität oder die Ausbeutung der Idylle. Im Bregenzer Atelier zeigt Navarrete Sitja Videoarbeiten sowie eine Installation aus gesprochenen, poetischen Texten und eine Bodenarbeit aus unzähligen gedruckten S/W-Blättern. Darin spielt der Künstler mit der Simulation von Lichtreflexen auf dem Wasser, die er allerdings in einem mechanischen Verfahren mit Sonnenlicht und Kieselsteinen erzeugt und das so entstandene Negativ weiterbearbeitet.
Spuren in der Haut
Prozessorientiert entwickelt auch Patricia Dauder (1973) ihr Schaffen. Von der Zeichnung über ein Foto bis hin zur Lithografie und schließlich zur Wandarbeit durchlaufen ihre Werke etliche Transformationen und langwierige Wiederholungen von Wegnehmen und Hinzufügen. Den motivisch-thematischen Ausgangspunkt für die Künstlerin aus Barcelona bildet die Haut von Menschen, Tieren, aber auch die Rinde von Bäumen. Fasziniert von den Kratzern und Spuren in der Epidermis, die Geschichten erzählen, und ausgehend von konkreten Dingen wie der Haut eines Blauwals oder Tattoos von südpolynesischen Inselbewohnern, zeigen ihre Blätter Fragmente und flüchtige Eindrücke, die sich zu einem Bild verdichten. Auf transparentem japanischem Papier gedruckt überlagern sich Schichten, während die nicht in einem Rahmen begrenzten Werke gleichzeitig fast ein Teil der Wand werden. Besonders gefallen an Vorarlberg haben der Künstlerin der Wald und die Achtung der Tradition im Umgang mit dem Rohstoff Holz. Auch die Ruhe schätzt Patricia Dauder, und auch Francisco Navarrete Sitja, der von der Landschaft sehr angetan ist, bewundert den im Gegensatz zu seiner Heimat sorgsameren Umgang mit der Natur und den Ressourcen. Dass die Zeit intensiv, aber kurz war und sie gern mehr unternommen hätten, darin sind sich beide einig.

Ausstellung im Künstleratelier in der Gallusstraße 10a in Bregenz, im Kunstschaufenster in der Jahnstraße 13-15 vom 21. bis 24. Oktober, täglich, 16 bis 19 Uhr,