Gegen Ungerechtigkeit und Autokratie

Kultur / 18.10.2020 • 20:44 Uhr
Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen erhielt den Friedenspreis von Karin Schmidt-Friderichs virtuell überreicht. AFP
Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen erhielt den Friedenspreis von Karin Schmidt-Friderichs virtuell überreicht. AFP

Renommierter Friedenspreis unter besonderen Umständen an Amartya Sen verliehen.

Frankfurt/Main Der Preisträger konnte nicht anreisen, der Laudator befindet sich in Quarantäne, und das Publikum wurde ausgeladen. Die Verleihung des renommierten Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den indischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Amartya Sen (86) verlief alles andere als normal. Dennoch bleiben nach der Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche klare Appelle: gegen Ungerechtigkeit und Autokratie, für Menschenrechte und Demokratie. Weil einer seiner Personenschützer positiv getestet wurde, musste sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Quarantäne begeben. Seine Rede las Schauspieler Burghart Klaußner.

Geehrt werde ein Weltbürger, der „wie kein anderer verbunden ist mit der Idee der globalen Gerechtigkeit“, hieß es in der Laudatio. „Die Suche nach Gerechtigkeit und Freiheit darf gerade unter dem Druck der Corona-Pandemie keine Pause machen.“ Als Wissenschaftler habe Sen die Welt nicht nur begreifen, sondern auch verändern wollen, so Steinmeiers Worte. Und: „Amartya Sen hat sie verändert.“ Wenn Sen über soziale und ökologische Gerechtigkeit spreche, dann gehe es ihm im Kern immer um die Demokratie.

Auch USA geben Anlass zur Sorge

Der in den USA lebende Preisträger konnte aufgrund der Pandemie nicht anreisen. Sens Bestseller wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt, er bekam 1998 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und nun also noch den Friedenspreis. In seiner zugeschaltenen Dankesrede sprach er sich gegen Autokratie, Benachteiligung und Ungerechtigkeit aus. „Die repressiven Tendenzen in vielen Ländern der heutigen Welt – insbesondere in Asien, in Europa, in Lateinamerika und innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika –geben Anlass zur Sorge.“