Opulenz und Strenge

Prosasammlung des Österreichers Josef Winkler.
Erzählung Der Buchtitel „Begib dich auf die Reise oder Drahtzieher der Sonnenstrahlen“ ist nicht der einfachste. Auch der Inhalt ist nicht aus einem Guss, sondern eine Sammlung von Texten. Und doch lässt sich das neue Buch von Josef Winkler bedenkenlos empfehlen: als Einführung in das Themenspektrum des Kärntner Autors und als Beweis seiner Meisterschaft, Sprache entweder zum Malen opulenter Bilder oder zum Erfüllen strenger Konzepte zu verwenden.
Fast immer sind es äußere Anlässe, an denen sich der sprachliche Furor des vielfach ausgezeichneten Schriftstellers entzündet. Diese können aus seinem Alltag stammen – wenn er etwa auf Lesetourneen an der Seite von Literaturwissenschafter Klaus Amann durch Indien reist – oder von der Auseinandersetzung mit Filmen (etwa Jessica Hausners „Lourdes“), Kunstwerken oder Büchern rühren. Natürlich begegnet man allen wieder, die das Winklersche Universum seit Anbeginn bevölkern: dem strengen Vater und der bäuerlichen Bevölkerung, dem französischen Autor Julien Green, der sich für Klagenfurt begeisterte, dem Zeichner Alfred Kubin, den politischen Totengräbern Kärntens, die Winkler unerbittlich bekämpfte.
Ein Leseerlebnis
Das Buch ist gespickt mit Literaturzitaten. Man begegnet auch Ingeborg Bachmann, Gustav Janus, Florjan Lipus und Peter Handke. Immer wieder fließen fremde Texte, die ihn begleiten und beschäftigen, in den eigenen Textfluss hinein und vermischen sich: Esther Dischereits Gedichtband „Rauhreifiger Mund oder andere Nachrichten“ etwa. Dazwischen zwingt Winkler die sprachlichen Wucherungen in ein strenges Korsett. Es ist ein Leseerlebnis, wie die Üppigkeit und die Strenge dabei miteinander in Wettstreit liegen. Und in „Wie schön ist doch die Jugend“ zeigt Winkler in Dialogen zwischen Edgar Degas und seinem Modell Pauline auch noch, dass er Drama mit Pointe zu verbinden versteht.
„Begib dich auf die Reise oder Drahtzieher der Sonnenstrahlen“, Josef Winkler, Suhrkamp , 262 Seiten.