Katalanische Kunst: Alwin Rohner zeigt Werke aus Privatsammlung

Alwin Rohner öffnet mit „Katalanische Expression“ ein weiteres Kapitel seiner Sammlung.
LAUTERACH Joan Miró, Salvador Dali, Pablo Picasso, Antoni Tàpies – die großen Namen und Vertreter katalanischer Kunst sind hinlänglich bekannt. Welch breites künstlerisches Spektrum die autonome historisch-kulturelle Gemeinschaft Katalonien in Spanien darüber hinaus zu bieten hat, deutet die kürzlich eröffnete Ausstellung „Katalanische Expression“ im Rohnerhaus in Lauterach an. Mit der über 50 Werke umfassenden Präsentation schlägt Hausherr Alwin Rohner ein weiteres, neues Kapitel seiner umfangreichen Privatsammlung auf.

Seit mehr als 30 Jahren regelmäßig auf Mallorca, hat er sich in der dortigen Kunstszene umgeschaut, Museen besucht, Kontakte zu Künstlern und Galerien geknüpft und sich mit der Geschichte, den Eigenheiten und der eigenständigen Kultur der Katalanen befasst. Über die Jahre sind die Teile zu einem Ganzen, sprich zu einer Sammlung, zusammengewachsen, die nun im Lauteracher Privatmuseum im Rohnerhaus zu sehen ist.
Mit der aktuellen Ausstellung und dem Schwerpunkt auf der Malerei unternimmt Alwin Rohner den Versuch, das Bild einer ganzen Region bzw. ihrer Gesellschaft, ihrer Mentalität, zu zeigen. Sämtliche Werke sind, so Rohner, nach dem Tod Francos, der eine tiefe Zäsur und eine neue Ära in der Geschichte Spaniens markiert, also nach 1975, entstanden. „Die Katalanen gelten als stolz, sehr selbstbewusst und haben eine besondere Streitkultur. Das spiegelt sich auch in ihrer Kunst“, so Alwin Rohner. Eigentlich müsste die Ausstellung nicht „Katalanische Expression“ sondern „Katalanische Expressionen“ heißen, weil so viele unterschiedliche Stile, Denk- und Arbeitsweisen aufeinandertreffen, es aber auch etliche Gemeinsamkeiten und verbindende Elemente gibt, wie das besondere, mediterrane Licht, die Allgegenwart des Meeres oder ein starkes Faible für Farben.

Auch in der Rohnerschen Sammlung dürfen die Aushängeschilder und Klassiker Dali, Miró und Tàpies, vor allem vertreten durch Druckgrafik und Editionen, natürlich nicht fehlen. Esprit jenseits des Bekannten verleihen der Ausstellung indes Künstler wie Antonio Collado (*1956) mit wunderbaren Stillleben in pastellig-matten Farbtönen oder Julio Balaguer (*1957), dessen großformatiges, freskenartig wirkendes Diptychon etwas von der statuarischen Strenge früher Renaissance-Darstellungen hat, aber in der Bildauffassung und Motivwahl eindeutig im Hier und Jetzt verankert ist. Die Kinder auf dem Gemälde scheinen zu spielen, die Atmosphäre mit dem in Flammen stehenden, schlossartigen Gebäude im Hintergrund ist eigentümlich, von Unbeschwertheit keine Spur. Ungleich heiterer dagegen die Arbeiten von Marc Jesús-Vives (1966), der neben einer metallenen „Wellenmaschine“ eine füllige Frau auf einer Leiter zu einer Wäscheleine hochklettern lässt, wo die Dame Sterne aufhängt. Oder pflückt sie sie vom Himmel? Illuster geht es auch in den Bildern von Mariona Millà (*1954) zu, in denen leicht verruchte Szenen aus dem Milieu oder ein Besuch der grünen Fee Thema sind. Farbflächen, geometrische Formen und der Einsatz von Bienenwachs prägen die Arbeiten von Sergi Barnils (*1954), Landschaften sind das Thema von José González Tudanca (1944–2011).
Keine gebürtige Katalanin, aber eine, der die Region schon längst zur Heimat geworden ist, ist Anna Lentsch (*1943). Die Werke der aus Deutschland stammenden Künstlerin sind von Musikstücken wie Beethovens „Für Elise“ oder „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns inspiriert. Weitere Werke und Entdeckungen stammen von Antoni Amat, Xaro Castillo, Agustin Fructuoso, Josep Guinovart, Mario Pasqualotto, Bartone Pons, Miguel Segura sowie Pedro Quetglas Ferrer (XAM). Ariane Grabher
Die Ausstellung ist im Rohnerhaus, Kirchstraße 14, Lauterach, bis Anfang 2021 geöffnet, jeden ersten Sonntag im Monat von 10.30 bis 17 Uhr. Nach tel. Vereinbarung unter 0043 676 7032873 werden ab vier Personen auch private Führungen angeboten.