Mit dem Kopf in der Auslage

Kultur / 24.09.2020 • 21:00 Uhr
Mit dem Kopf in der Auslage
Der spanische Künstler Daniel Rendón Guerrero lebt und unterrichtet seit 2008 in Bregenz.  AG

Augenzwinkerndes von Daniel Rendón Guerrero in neuer Galerie.

Bregenz Hoch auf einem Berg zu stehen oder auf die Weite des Meeres hinauszublicken – das Gefühl, sich in der Welt ganz klein und verloren vorzukommen, kennt wohl jeder. Erinnerungen an Situationen wie diese, die wir alle schon einmal erlebt haben, weckt Daniel Rendón Guerrero mit seiner jüngsten Werkserie „Rahmenlos“ in der Galerie von Isabel Sandner in Bregenz. Und rahmenlos begegnet uns DATA, so der Künstlername des gebürtigen Spaniers, bereits im Schaufenster. Dort, in der Auslage, liegt, friedlich schlafend, in Übergröße und weithin sichtbar, sein Kopf, pardon, das Abbild seines Kopfes.

Einsamkeit und Ruhe

Denn genau mit diesen kleinen Verschiebungen und Irritationen spielt DATA in seiner gegenständlichen Malerei, auch als Hommage an einen seiner Lieblingskünstler, René Magritte, wenn die Rahmen seiner rahmenlosen Bilder nur aufgemalt und zuweilen als Malfläche auch noch bespielter Teil der Werke sind. Der Surrealismus, Edward Hopper, Jackson Pollock oder Caspar David Friedrich bilden weitere künstlerische Bezugspunkte, wobei gerade Letzterer die Thematik von DATAs neuen Arbeiten perfekt inszeniert: Einsamkeit, Melancholie und Ruhe. Das allein würde dem Künstler, der seit 2008 in Bregenz lebt und unterrichtet, aber nicht genügen. Vielmehr zeichnen sich seine auf den ersten Blick sehr glatt und kühl wirkenden, an Illustrationen und Comics orientierten Arbeiten durch ihren hintergründigen Humor und ein Augenzwinkern aus, das sowohl in Wortspielen als auch in der Bildfindung zum Ausdruck kommt.

Würfelzucker vom Himmel

Diese Doppelbödigkeit, die den perfektionistisch nach Kompositionsgesetzen aufgebauten und am Computer entworfenen Bildern etwas von ihrer Strenge nimmt, bleibt subjektiv: Während die vom Himmel herabfallenden Zuckerwürfel für den Maler, als bekennenden Liebhaber von Süßigkeiten, höchste Glückseligkeit verheißen, hat die Szene andererseits auch etwas sehr Bedrohliches. Das Streben nach immer noch mehr, die kühn geschwungene Kühlerhaube eines 911ers als Landschaft interpretiert oder das eisig anmutende Aufeinandertreffen von Mann und Frau in zwei kleinen Booten auf dem Meer – die Figuren in Daniel Rendóns Bildern sind gesichtslose Einzelgänger, häufig in Rückenansicht, in einer überdimensionierten Welt. Sie sind die lange Schatten werfenden Platzhalter, in die man sich hineindenken kann, und neben dem Meer und dem Mond immer wiederkehrende Motive, fast wie eine Signatur des Künstlers. Ariane Grabher

Eröffnung am 25. September, ab 17 Uhr in der Galerie, Kirchstraße 29, Bregenz. Geöffnet bis 7. November, Di bis Fr 13 bis 19 Uhr, Sa und So 11 bis 16 Uhr.