Malerei als Problem und Vergnügen zugleich

Kultur / 22.09.2020 • 21:00 Uhr
Malerei als Problem und Vergnügen zugleich
In der Galerie c.art ist derzeit eine Auswahl neuer Arbeiten des belgischen Künstlers zu sehen. AG

Farben mit Eigenleben unter den schillernden Bildoberflächen von Jus Juchtmans.

DORNBIRN Es sei reiner Zufall, dass wir heute beide so hier seien, wie wir sind, erklärt mir Jus Juchtmans. Genauso verhalte es auch mit seinen Bildern, die Schicht um Schicht, Acryl auf Leinwand, entstehen. Eine Auswahl neuer Arbeiten des belgischen Künstlers, flankiert von einigen Skulpturen und Objekten von Liddy Scheffknecht und Markus Hofer, sind aktuell in der Galerie c.art in Dornbirn zu sehen. Jus Juchtmans Malerei wird häufig in die Kategorie „monochrom“ verfrachtet. Das ist vorschnell und reinster Etikettenschwindel. Denn steht man erst einmal vor den Gemälden des Belgiers, dann eröffnet sich eine schillernde Farbenwelt. Die kommt nicht von ungefähr, wie man an den Seiten der Bilder anhand der einzelnen, eingelagerten Farbschichten deutlich ablesen und in der Bildtiefe auch erahnen kann, denn unter der Oberfläche führen die Farben ein reges Eigenleben.

Farbrest am Beginn

Der Auftrag erfolgt horizontal, nicht mit Pinseln, sondern mit Rakeln, die ebenso wie die fast durchsichtigen Farben, vom Künstler selbst mit großer Meisterschaft hergestellt werden. Während die erste, unterste Schicht häufig ein Farbrest vom letzten Bild ist, wird die letzte, oberste Schicht nicht von einem Lack oder Firnis gebildet, sondern eben auch von durchscheinender Acrylfarbe. „Ich habe kein Bild in meinem Kopf, wie die fertige Arbeit aussehen muss. Ein Werk ist fertig, wenn ich keine Antworten mehr habe“, sagt Jus Juchtmans, der die Malerei als „ein Problem und ein Vergnügen“ gleichermaßen bezeichnet.

Die oszillierenden, hochästhetischen, hochglänzenden Oberflächen lassen eintauchen und fordern aufgrund der Reflexion zur Bewegung vor dem Bild auf. Doch mit jedem Standortwechsel verändert sich das Gemälde, die Farbe erscheint wieder anders, Jus Juchtmans Fifty Shades von Blau, Rot, Gelb, Grün oder Braun sind niemals ganz zu fassen. Umso mehr als man sich nicht nur als Betrachter im Werk spiegelt, sondern auch der Umraum Teil des Bildes wird. Um den Gemälden in ihrer ganzen Farbdynamik und -komplexität, die von puristisch bis opulent alle Register zieht, gerecht zu werden, müsste man sich wohl von morgens bis abends davorsetzen und beobachten, wie sie sich mit dem (Tages)Licht im Tagesverlauf verändern. Und am nächsten Tag wieder und am übernächsten ebenso…

Wie Wasser…

Die Bildoberflächen gleichen darin Wasseroberflächen und dem Versuch des Künstlers ein flüchtiges Moment, die stetige Veränderung, festhalten zu wollen. Diese Annäherung an eine Unmöglichkeit hat bei Juchtmans aber nichts Verbissenes an sich, sondern kommt im Gegenteil sehr locker und leicht daher.

Neben den großen Formaten präsentiert Jus Juchtmans in Dornbirn auch einige kleinere Arbeiten, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich scheinen und ungleich sparsamer mit Farbe auskommen, was für den Maler „etwas Armes“ hat, für den Betrachter aber ebenso reizvoll ist. Dem Betrachter obliegt sowieso so ziemlich alles in den offen gehaltenen Bildern des Belgiers. Das deutet sich auch im Titel der Ausstellung in der Galerie c.art an, für den sich Jus Juchtmans Anleihen bei James Bond geholt hat: „Through your eyes only“ will heißen, dass ein jeder sehen darf und soll, was er sieht. Es gibt kein richtig oder falsch, nur Bilder voller Licht, Farbe und Glanz. Ariane Grabher

Die Ausstellung ist in der Galerie c.art in Dornbirn bis 14. November geöffnet, Mi bis Fr von 10 bis 18 Uhr, Sa von 10 bis 13 Uhr sowie nach tel. Vereinbarung, 05572/312310.