Neue TU nach Bregenz!
Seit einigen Tagen wird eine Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz heftig diskutiert: In Linz soll eine neue Technische Universität (TU) mit den Schwerpunkten Digitalisierung und digitale Transformation gegründet werden. Dabei handelt es sich nicht um eine Erweiterung der Linzer Johannes-Keppler-Universität, sondern tatsächlich um eine Neugründung – und es scheint so, als ob man in Linz nicht wirklich erfreut darüber ist. Es wäre die 23. öffentlich finanzierte Universität in Österreich – und noch immer ist keine in Vorarlberg.
Ich frage mich seit Tagen, warum die Ankündigung des Bundeskanzlers in Vorarlberg nicht alle Glocken hat schrill läuten lassen. Warum zeigen bei einem solchen Thema nicht der Landeshauptmann, nicht die Bildungslandesrätin oder auch der Bregenzer Bürgermeister ganz heftig auf? Gerade die Ausrichtung auf Digitalisierung könnte eine Möglichkeit sein, nachdem ja auch die Industrie dieses Landes immer wieder den Digitalisierungsschub fordert. Warum schreien die Präsidenten der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer nicht nach der Gründung der neuen TU in Vorarlberg? Einzig Arbeiterkammerpräsident Hubert Hämmerle hat, wie schon früher, das Thema aufgegriffen: „Das ist genau das, was dem Ländle guttun würde.“ Wieder einmal darf man darauf hinweisen, dass es für eine solche Einrichtung einen idealen Standort gäbe: Das Bregenzer Seestadtareal. Eine so große, unverbaute Fläche mitten in der Stadt, ideal an den öffentlichen Verkehr angebunden, ein mögliches Scharnier zwischen Vorkloster und Innenstadt, eine Chance, zughörige Infrastruktur wie Teile der Vorarlberger Landesbibliothek hier zu platzieren – solche Voraussetzungen findet man nirgends mehr. Dazu noch die Möglichkeit, mit der Internationalen Bodenseeuniversität, die gerade versucht, hier besser Fuß zu fassen, zusammenzuarbeiten, damit auf Lehrende von dreißig Hochschulen aus dem Vierländereck zugreifen zu können – wo gibt es denn so etwas?
Es hat schon einige Möglichkeiten gegeben, in unserem Land eine Universität zu gründen. Sie wurden alle stümperhaft vertan. Nun könnte sich wieder eine Tür öffnen. Aber das verlangt ein beherztes, überzeugtes Auftreten, das verlangt ein sichtbares Wollen, das verlangt eine Kraftanstrengung. Ein Hinstehen in Wien und die klare Forderung: Auch dieses Bundesland hat ein Recht auf eine Universität. Und man wird wohl auch zeigen müssen, dass man bereit ist, in eine höchste Bildungseinrichtung auch selbst zu investieren – so wie man in manch fragwürdiges Infrastrukturprojekt auch zu investieren bereit war und ist.
„Es hat schon einige Möglichkeiten gegeben, in unserem Land eine Universität zu gründen.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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