Musiker Klaus Christa will das, was er liebt, mit vielen Menschen teilen

Kultur / 04.09.2020 • 16:45 Uhr
Musiker Klaus Christa will das, was er liebt, mit vielen Menschen teilen
Bratschist und Konzertveranstalter Klaus Christa. VIKTOR MARIN

Der Musiker Klaus Christa bringt Reflexionen über Corona auch ins Programm seiner „Musik in der Pforte“.

Klaus Er ist ein wacher Geist, unruhig in seinem Bestreben nach Neuem in der Kunst. Mit der Feldkircher Kammermusikreihe „Musik in der Pforte“ setzt Klaus Christa seit zwei Jahrzehnten nachhaltige Impulse im Musikleben Vorarlbergs. Er leitet eine Bratschen-Klasse am Konservatorium, ist Buchautor und Mentor der südafrikanischen “Bochabela Strings”.
 
Sie waren der erste Veranstalter im Land, der sich nach dem Lockdown mit einem Openair in St. Arbogast wieder an die Öffentlichkeit gewagt hat. Warum war Ihnen das so wichtig?
Wir wollen das, was wir lieben, mit möglichst vielen Menschen teilen. Ein Konzert hat so einen unersetzbaren Zauber. So schnell war noch nie ein Konzert ausverkauft wie jenes am Pfingstsonntag.
 
Sie haben schon zuvor in spontanen Aktionen versucht, Musiker und Publikum zusammenzubringen?
Wir haben schon am 15. März spontan mit dem ersten virtuellen Pfortebalkon begonnen. Unsere Idee war, dass wir jeden Tag einen kleinen musikalischen Gruß ins Netz stellen, um ein bisschen Freude und Abwechslung in den Alltag des Lockdowns zu bringen. Dass wir Beiträge aus der ganzen Welt bekommen haben, hat uns auch sehr geholfen, uns global verbunden zu fühlen. Wir haben durchgehalten, bis die Menschen wieder hinausdurften und Begegnung wieder möglich war, dann ist auch der Pfortebalkon auf Reisen gegangen.
 
Sie haben mir gesagt, das sei derzeit für Sie eine seltsam herausfordernde Zeit – warum?
Die letzten Monate waren an Ambivalenz der Erfahrungen nicht zu überbieten, einerseits diese kollektive Beunruhigung – Planung war nicht mehr möglich, weil niemand wusste, wann was weitergehen kann –, andererseits aber auch die Erfahrung von Durchatmen. Da war eben dieses Gefühl, den Boden zu verlieren, aber auch die Erfahrung von Solidarität.
 
Da spielt Ihnen die Krise für „Musik in der Pforte“ in die Karten, denn Sie haben begonnen, das früher reine Musikprogramm mit literarischen, philosophischen und weltanschaulichen Gedanken aufzubrechen?
Man hat im Lockdown gemerkt, wie viele Personen und Institutionen den Menschen nur als Virenempfänger betrachten, also einen sehr materialistischen Zugang zum Phänomen Mensch haben. Für uns ist der Mensch vor allem ein seelisches Wesen, und wenn wir ihn so wahrnehmen, dann treten andere Fragen in den Vordergrund. Der Philosoph Byung-Chul Han stellt in einem Aufsatz zur Pandemie das gute Leben dem bloßen Überleben gegenüber, das nur nach Lebenslänge strebt. Ich finde, wir müssen wieder viel mehr lernen, was das gute Leben für uns ist, und da spielen Kunst und Philosophie eine zentrale Rolle.
 
Wird die Welt aus Ihrer Sicht nach Corona eine bessere, jedenfalls eine andere sein?
Für mich hat sich in dieser Zeit folgende Erkenntnis verdichtet: Das Größte, was einem Menschen auf dieser Erde widerfahren kann, ist seinem Gegenüber – seinem „Du“, wie Martin Buber das nennt – wirklich zu begegnen, also mit der Seele in die Begegnung zu gehen. Diese Begegnung, das kann eine Melodie sein, die uns tief ins Herz dringt, ein Gespräch, das uns berührt, ein Händedruck, hinter dem wir wirklich einen Menschen spüren, ein Blick in den Abendhimmel, der uns verzaubert. Wenn wir das verstehen, dann ändern wir alle unser Leben.
 
Wird es ein Wiedersehen mit Ihren besonderen Schützlingen geben, den südafrikanischen “Bochabela Strings”?
Für die Bochabelas sind unsere Tourneen jenes Ziel, auf das sie das ganze Jahr begeistert hinarbeiten. Für sie war die Absage der Tour sehr hart. Zu unserer großen Freude haben wir gerade erfahren, dass wir am 28. Juli 2021 mit „Beethoven goes Africa“ bei den Bregenzer Festspielen zu Gast sein werden und am 1. August beim Rheingau Musikfestival.
 
Als Pädagoge liegt Ihnen die Jugend besonders am Herzen. Welche Eigenschaften versuchen Sie angehenden Musikern mitzugeben?
Ich glaube, Menschen, die für ihre Sache brennen, hat die Welt immer gebraucht und wird sie auch in Zukunft brauchen. Unsere Welt leidet an zu viel Kopf. Was wir wirklich brauchen, ist viel mehr Seele und begeisterte Hingabe an das Leben. Fritz Jurmann

„Musik in der Pforte“: Werke von Komponistinnen, 10. September, 19 Uhr, 11. September, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch; 12. September, 17 Uhr, Frauenmuseum Hittisau.

KLAUS CHRISTA

Geboren 25. Mai 1965 in Bregenz

Ausbildung Entscheidender Mentor war Hatto Beyerle, bei dem er in Wien und Hannover studierte

Tätigkeit Seit 1995 Lehrtätigkeit für Viola und Kammermusik am Konservatorium Feldkirch; Gründer der Reihe „Musik in der Pforte“, intensive kammermusikalische Konzerttätigkeit

Familie verheiratet, fünf Kinder