Kunstvolle Musik für die Seele

Betrachtungen zur Musik von Hildegard von Bingen.
Hohenems, Altach Die mittelalterliche Nonne Hildegard von Bingen (1098–1179) empfing ihre Visionen durch ein „Entgegenspannen des Geistes“ für die Eingebungen, die für sie vom Himmel kamen, die in Norddeutschland lebende russische Komponistin Sofia Gubaidulina (geb. 1931) begibt sich nachts auf die Felder, um die Klänge des Kosmos aufzunehmen, die die Grundlage für ihre Kompositionen bilden. Diesen beiden herausragenden Komponistenpersönlichkeiten widmet die in Vorarlberg lebende Musikschriftstellerin und Journalistin Anna Mika ein schmales Bändchen, in dem sie gleichwohl Wesentliches zu sagen versteht.
Neugierig machen
Das Verbindende zwischen den beiden sieht Anna Mika darin, dass sie aus einer Inspiration schöpfen, die aus „Ebenen nahe des göttlichen Seins zu ihnen gelangt“ und dass sie sich darüber mündlich oder schriftlich geäußert haben. Beide verbindet auch die tiefe, ja heilende Wirkung, die Musik auf unsere Seele ausübt, jenseits des Genusses an „schönen Stellen“. Knappe Analysen der Kompositionsprinzipien, etwa der Rolle der pythagoräischen Stimmung bei Hildegard von Bingen oder der Kreuzsymbolik und der Zahlenreihen bei Sofia Gubaidulina, erlauben erhellende Einblicke in ihre hochentwickelte Handwerkskunst.
Biografische Informationen und Bilder ergänzen den Text, dem es in konzentrierter, knapper Form gelingt, hochkomplexe musikalische Universen zu erhellen und neugierig zu machen auf die Musik der beiden Komponistinnen. UL
Anna Mika: „Tausend Jahre – ein Tag“, Bucher. Konzert, 16. September, 20 Uhr, Pfarrzentrum Altach; Musik von Hildegard von Bingen.