Große Themen auf kleiner Bühne

Kultur / 03.09.2020 • 10:00 Uhr
Große Themen auf kleiner Bühne
Birgit Unger in “Transporter oder Maya unterwegs” von Catherin Dyson. Das Stück wurde am Mittwochabend beim Festival Luaga & Losna uraufgeführt. VN/CD

Bei Luaga & Losna gibt es viel zu lachen, man agiert aber auch begeisternd risikobereit.

Feldkirch, Nenzing In die 32. Ausgabe ist das Festival Luaga & Losna gestartet und zum 25. Mal treffen sich Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern im Rahmen einer Dramatikerbörse in Vorarlberg, das heißt, sie sammeln unter professioneller Leitung Erfahrungen und tauschen sich aus. Es ist gut, sich solche Fakten wieder einmal vor Augen zu halten, die es nur geben kann, weil sich Kulturschaffende weit über das berufliche Ausmaß hinaus engagieren. Mit einer vielschichtigen Show des schwedischen Ensembles ZebraDans boten die Festivalmacher Johannes Rausch und Sabine Wöllgens (Leiter des Theaters der Figur) sowie Matthias Bitschnau zum Auftakt Unterhaltung und Anregung, die beim jüngeren wie beim älteren Publikum nachwirkt. Die Produktion ist beispielgebend für die Herausforderung der man sich Jahr für Jahr erfolgreich stellt, nämlich Stücke für Kinder und Jugendliche anzubieten, aus denen Erwachsene gleichermaßen Gewinn schöpfen können.

Bei allen Problemen, die der Pandemie-Lockdown und die nach wie vor bestehenden Viruspräventionsauflagen mit sich bringen, noch eine eigene Uraufführung zu realisieren, ist mehr als nur anerkennenswert. Das Stück “Transporter oder Maya unterwegs” von Catherine Dyson wurde von Sabine Wöllgens eigens aus dem Englischen übersetzt und hat es in sich. Eine junge Frau erzählt vom Aufwachsen mit kleineren und größeren Abenteuern, die ihr wie vielen anderen im Alltag begegnen und die beglücken wie ängstigen. Die äußeren Umstände sind allerdings konfliktreich. Das gilt für das Private, das man irgendwie in der Hand hätte, das gilt aber auch für gesellschaftspolitische und politische Zustände, die den einzelnen stets mit der Frage konfrontieren, wie man sich denn verhält.

Sensibel übermittelt

Den Bogen von den irischen Unruhen bis zur zentralen Katastrophe im 20. Jahrhundert zu spannen, ist ein Mechanismus, den die Autorin in diesem Monolog bestens beherrscht. Es braucht aber auch genau diesen ruhigen Zugang, den Sabine Wöllgens als Regisseurin mit der Schauspielerin Birgit Unger erarbeitet hat. Sie verbleibt stets im Ton einer feinen Erzählung, sind die Fakten auch noch so grob. Das ist kein Überspielen, sondern ein sensibles Übermitteln eines Textes, der zur Stellungnahme zwingt. Man wird als Zuhörer gefordert und sieht sich immer wieder in der Rolle, Antworten geben zu müssen auf die Frage, wie man selbst reagiert hätte. Es ist ein sehr gutes Stück und es darf auch das an sich Selbstverständliche, nämliche das Handwerkliche erwähnt werden. Schon von der sprachlichen Struktur her verlangt der Monolog der Schauspielerin eine enorme Leistung über die übliche Memorierfähigkeit hinaus ab. Birgit Unger changiert klug und geschickt mit dem Belehrenden, das dem Stück innewohnt und den Erzählpassagen, in denen sie eine schöne Sogwirkung erzeugt. Der Begriff Empathiebildung steht über allem, er ist wichtig geworden in unserer Zeit.

Johannes Rausch hat mit ein paar Baukastenelementen ein einfaches Bühnenbild entworfen, das der Imagination des Schauplatzwechsels dient, von Evelyne Fricker stammt das Kostüm, das keine Zuordnung zulässt. “Transporter oder Maya unterwegs” ist eine Produktion, mit der es gelingt, auf kleiner Bühne große Themen komprimiert zu vermitteln. Es bleibt auch nach dem Luaga & Losna-Festival auf dem Spielplan.

Luaga & Losna dauert noch bis 5. September. “Transporter oder Maya unterwegs” kommt ab 4. Oktober ins Programm des Theaters am Saumarkt in Feldkirch.