Unheimliche Geschichten mit Spannung

Wir sind fünf
Matias Faldbakken
Heyne
254 Seiten.
Zwei Bücher bestechen durch ein interessantes Innenleben ihrer Figuren.
Romane Die Story ist so simpel wie bestechend: In einem Dorf, nahe bei Oslo, lebt eine junge Familie. Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Hund. Die Eltern, Siv und Tormod, sind bereits seit der Schulzeit ein Paar. Siv hat ziemlich viel zu kämpfen, um Tormod zu einer stabilen Persönlichkeit zu machen, aber es gelingt ihr. Sein turbulentes Leben kostet ihn seine Ausbildung zum studierten Techniker, er wird jedoch ein arbeitsamer Zimmermann. Um das Glück der Familie zu perfektionieren, legen sie sich einen Hund zu, so können die beiden Kinder Verantwortung lernen. Eines Tages verschwindet der Hund spurlos. Das löst in Tormod einige Kurzschlüsse aus. In einer inneren Isolation beginnt er mit Lehm und Ton zu experimentieren, bis sich die Substanzen unter Einwirkung von Strom verändern. Der Ton bekommt einen immer wichtigeren Stellenwert in seinem Leben, außerdem taucht bei Tormods Grabungen nach weiterem Ton hinter dem Haus der Kadaver des Hundes samt Halsband auf. Irrtum ausgeschlossen, alles deutet darauf hin, dass seine Frau sich des Hundes entledigen wollte.
Verweise auf die bildende Kunst
Wie gesagt, das Dorf ist klein und engstirnig, das Haus abseits gelegen und Tormod verwandelt sich in eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde – eine Katastrophe scheint unausweichlich. Zu diesem beeindruckenden Roman muss man wissen, dass Matias Faldbakken zu den erfolgreichsten Gegenwartskünstlern in Norwegen zählt und seine Skulpturen auf der gesamten Welt ausgestellt werden. Er kennt sich mit Materialien ausgezeichnet aus und hat vermutlich auch von einer Material-Besessenheit eine Vorstellung, die gerade Künstler entwickeln können. Er schafft es sehr eindringlich, Tormod in die Katastrophe schlittern zu lassen. Vielleicht hätte er ein weiteres Augenmerk auf die Frau legen sollen, auch sie ist ein sehr interessanter, am Abgrund tänzelnder Charakter. Sprachlich einwandfrei und mit viel Mut ausgestattet, hält der Autor die Charaktere fest im Griff und haucht einem Klumpen Ton Leben ein.
H.P. Lovecraft wiederbelebt
Es gibt Romane mit ziemlich öden Titeln. „Das Haus der finsteren Träume“ ist so einer, aber im Gegensatz dazu zieht das Buch in den Bann. In der Tradition der US-Horrorgeschichten lässt Autor Shaun Hamill den Jüngsten der Familie über die Tragödie erzählen, die sie heimgesucht hatte. Im Garten der Familie Turner erbaut der Vater ein Spukhaus, in dem die Familie auftritt, um ein zahlendes Publikum leibhaftig zu erschrecken. Doch irgendwann dringen die Geister, die sie riefen, in ihr eigenes Haus vor.
Was im ersten Moment ziemlich banal klingt, entpuppt sich als subtile Geschichte einer Familientragödie, die sehr zurückhaltend durch starke Bilder und Einschübe erzählt wird – wortgewaltig, aber eben nicht im Stil des überladenen Ideengebers H.P. Lovecraft. Der Autor hat das Glück, dass in den USA gerade ein kleines Lovecraft-Revival ausbricht. „Das Haus der finsteren Träume“ behauptet für sich eine eigene Stellung und sollte nicht nur in Bloggerportalen wahrgenommen werden.

Das Haus der
finsteren Träume
Shaun Hamill
Heyne
461 Seiten.