Begegnung mt einer Dame von Welt in Hohenems

Kultur / 20.08.2020 • 09:00 Uhr
„Die Sehnsucht der Franziska Rosenthal“ führt persönliche und dokumentarische Perspektiven zusammen. <span class="copyright">Walktanztheater</span>
„Die Sehnsucht der Franziska Rosenthal“ führt persönliche und dokumentarische Perspektiven zusammen. Walktanztheater

Mit dem Walktanztheater auf den Spuren der Franziska Rosenthal.

Hohenems Kaum jemand, der diese große, herrschaftliche Villa an der nördlichen Stadteinfahrt von Hohenems nicht kennt. Sicher, das Haus hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Dennoch lässt sich das einstige Leben hinter den Mauern noch erahnen. Dorthin führt das aktuelle Projekt des Walktanztheaters und der Stadt Hohenems. Es geht um die Rosenthals, genauer um die Fabrikantengattin Franziska. Ihr begegnet man in dem Augenblick, als sie und Iwan, ihr Mann, im Begriff sind, Hohenems zu verlassen. Man schreibt das Jahr 1914 und es soll für die Rosenthals nach Wien gehen, in die große Stadt.

Der Autor Amos Postner, in Lustenau geboren, lässt mit „Die Sehnsucht der Franziska Rosenthal“ in fünf Bildern in die Lebensgeschichte dieser Frau eintauchen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versteht sich. Brigitte Walk macht daraus eine Art Stationentheater und führt ihr Publikum vom Wohnhaus der Rosenthals zur ehemaligen Schule, zur Mikwe, zur ehemaligen Synagoge und schließlich zur zweiten Hohenemser Villa Rosenthal, dem heutigen Jüdischen Museum. Dort, im Haus ihrer Nichte Clara Heimann-Rosenthal, endet das Stück und auch die Geschichte der Franziska Rosenthal. Bei einem ihrer Besuche in Hohenems stirbt Franziska Rosenthal 1931 im Alter von 78 Jahren.

Den Blick verändern

Das alles packt Amos Postner in seinen Text und Brigitte Walk in ihren historisch-szenischen Stadtrundgang durch das jüdische Viertel. Knapp 50 Minuten ist man so auf den Spuren einer bedeutenden Hohenemserin, die von Luka Oberhammer übrigens ausgezeichnet verkörpert wird. Sie ist ebenso die sprachgewandte Dame von Welt wie das kleine Kind, das im Rabbinerhaus wohnte und in der gemeinsamen Schule auch Freundschaften mit „Christenmädchen“ schloss. „Die Sehnsucht der Franziska Rosenthal“ fügt der Geschichte des jüdischen Lebens in Hohenems ein weiteres Gesicht hinzu. Es zeigt Reichtum, Weltoffenheit, das soziale Engagement der Rosenthals, aber auch die Sehnsucht der Fabrikantengattin nach etwas Größerem, nach dem frischen Wind um die Nase. Gleichzeitig führt das Stück – indem es persönliche und dokumentarische Perspektiven zusammenführt – auch zurück in eine Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der die alte Welt versinken lassen sollte. Das Stück wirft Blitzlichter auf ein Leben, das so nah und doch aus der Zeit gefallen erscheint. Umso empfehlenswerter ist es, sich auf diesen Spaziergang durch die Geschichte einzulassen. Der Blick auf die Häuser wird danach ein anderer sein. Veronika Fehle

Weitere Aufführungen am 20., 21., 27. und 28. August sowie am 3. und 4. September, jeweils 18 Uhr, statt. Treffpunkt Tourismusbüro Hohenems: www.walktanztheater.com