Die Festspielsaison 2021 wird sicher nicht kleiner

Bregenzer Festspiele haben die Absage übertaucht und bieten nun bei den Festtagen eine Opernproduktion.
Bregenz Man sei und bleibe selbstkritisch, hinterfrage jede Entscheidung, habe aber keine Wahl gehabt, erklärt Präsident Hans-Peter Metzler rückblickend die Absage der diesjährigen Bregenzer Festspiele. Laut Pandemie-Auflagen sind im August 1250 Besucher pro Veranstaltung zugelassen, die Tribüne vor der Seebühne fasst etwa 7000. „Die Szene würde verwaist wirken, gleichzeitig wäre das ein wirtschaftliches Desaster. Mit dem, was wir auf dem See lukrieren, finanzieren wir das weitere Programm.“ Auf die Tatsache angesprochen, dass die Aufführungen vor der Absage nahezu ausverkauft waren, skizziert er zudem ein „verheerendes“ Szenario: „Welchen Ticketbesitzer hätten wir abweisen sollen und welchen hineinlassen?“
„Wir zeigen 2021 mindestens das geplante Programm. Und eventuell eine Überraschung.“
Hans-Peter Metzler, Festspiel-Präsident
16 Millionen Euro betragen die Einnahmen, die man heuer in Summe durch die Absage verloren hat. Die spektakuläre Inszenierung von „Rigoletto“ steht nun auch im Sommer 2021 auf dem Programm, etwa die Hälfte der Karteninhaber hat die Plätze bereits umbuchen lassen. Die Produktion erweist sich als derart zugkräftig, dass man in den letzten Wochen entschieden hat, zwei zusätzliche Aufführungen neben den bereits geplanten anzusetzen. Als „Herkulesaufgabe“ habe sich die Verschiebung der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ ins Jahr 2022 erwiesen, weil eine hohe Anzahl von Firmen bereits die Aufträge hatte. „Da haben sich unsere langjährigen Beziehungen zu den Partnern bezahlt gemacht. Wir sind glücklich, dass alle Probleme gelöst werden konnten.“

Die Festtage, die man als Lebenszeichen geplant hatte, stehen, wie Metzler es ausdrückt, auch für die enge Bindung zu Künstlern. Deshalb sind die Wiener Symphoniker und das Symphonieorchester Vorarlberg dabei, aber auch der Dirigent Philippe Jordan und Mélissa Petit, die als Gilda im „Rigoletto“ begeisterte, oder Karl Markovics, der die Uraufführung der Oper „Das Jagdgewehr“ inszenierte. Einen Riesenspaß habe ihm der Besuch der Proben zur Uraufführung der Oper „Impresario Dotcom“ bereitet. Es zeige sich sonst immer, dass die Seebühne auch internationales Publikum anzieht, das weitere Produktionen bucht. Dieses fehlt heuer. Rund 60 Prozent der Festtage-Tickets sind abgesetzt. Metzler gibt sich aber überzeugt, dass sich das Interesse kurzfristig noch kräftig erhöhen wird.
Hoher Eigenfinanzierungsgrad
Die Bregenzer Festspiele erreichen im Normalfall einen Eigenfinanzierungsgrad von rund 85 Prozent. Die Jahressubvention ist zugesagt. Den Einnahmenausfall wird das Unternehmen verkraften können, erklärt Metzler mit einem Verweis auf das in den letzten Jahren bestens angenommene Programm von Intendantin Elisabeth Sobotka. 2021 werde keine Programmkürzung notwendig sein, neben Opern, Schauspiel und Konzerten sei wahrscheinlich noch eine Überraschung möglich.
Apropos Pandemie: Das Präventionskonzept ist streng, auch wenn die 360 Künstler im Festspielhaus nicht alle paar Tage automatisch zum Test müssen. „Ich würde keinen Impfstoff von Herrn Putin schlucken, aber ich bin zuversichtlich, dass es Fortschritte in der Forschung gibt, so dass wir bald Medikamente haben.“ Eine vielfältige Herausforderung für die Gesellschaft stelle das Virus bereits so oder so dar.
Die Festtage der Bregenzer Festspiele beginnen am 15. August mit Franui. Premiere von „Impresario Dotcom“ am 20. August. Die Wiener Symphoniker spielen am 22. August.
Uraufführung mit hohem Spaßfaktor
“Impresario Dotcom” von Lubica Cekovská ist ein Auftragswerk der Bregenzer Festspiele, das ursprünglich mit dem Slowakischen Nationaltheater Bratislava produziert werden sollte. Aufgrund des Lockdowns hatten sich nicht nur die Bedingungen geändert, Regisseurin Elisabeth Stöppler hat, wie sie im Gespräch mit den VN erläuterte, ein neues Konzept entwickelt. Die Auseinandersetzungen einzelner Opernsänger untereinander, die schon Goldoni in der Komödie aufzeigt, auf der das Stück basiert, bieten musikalische Möglichkeiten, die Cekovská mit großem Spaß an der Verwendung bekannter Arien ausschöpft.