Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Kurzer, notwendiger Blick auf das Festspielbudget

Kultur / 13.08.2020 • 21:46 Uhr

Kunst kostet Geld, das leuchtet jedem ein. Die Kunst, die die Bregenzer Festspiele anbieten, wird seit Jahrzehnten wiederum zu einem beträchtlichen Teil mit Kunst finanziert. Die Lokomotive ist die Seebühnenproduktion, wenn diese, wie im heurigen Corona-Sommer, nicht in Fahrt kommen darf, fehlt ein Großteil des Budgets. Wer einwendet, dass das Unternehmen schließlich subventioniert wird, muss bedenken, dass ein wesentlicher Teil dieser Summe für den Betrieb selbst notwendig ist, auch für das Haus und die Mieten.

Obwohl es aufgrund anderer Voraussetzungen nicht zulässig ist, wird gerade in diesem Jahr zum Vergleich immer wieder nach Salzburg geblickt. Dort sind die Festspiele wohl auch deshalb nicht abgesagt worden, weil heuer das 100-Jahr-Jubiläum ansteht. Man verkürzte die Saison und verkleinerte das Programm, blieb aber bei der Bezeichnung. Zu einer sehr guten „Elektra“-Produktion und der gestrafften und reduziert inszenierten Oper „Cosi fan tutte“, die man gut und gerne gleich konzertant anbieten hätte können, kommen Schauspielprojekte (immerhin eine Handke-Uraufführung und der „Jedermann“) sowie zahlreiche Konzerte. Ein Budget von etwas über 41 Millionen Euro steht dafür zur Verfügung. Die Kosten sind sicher gerechtfertigt und sollen nicht in Frage gestellt werden. Letztlich geht es auch darum, dass die Künstler endlich wieder zu Engagements kommen, auftreten dürfen und dass dem Publikum wieder der hohe Wert des Live-Musik-Erlebnisses bewusst werden darf.

Nur um die Fakten darzulegen, sei erwähnt, dass man in Bregenz nach der Absage der Festspiele für die Festtage nun in etwa das ausgeben kann, was bei den 41 Millionen in Salzburg rechts neben dem Komma steht. Also nicht ganz eine Million.

Damit ist der Blick auf das Budget beendet. Was die von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka konzipierten Festtage auszeichnet, ist ein schlüssiges, aber auch überraschendes Programm. Es hätte nicht viel Sinn gegeben, sich etwa den von der Tourismuswirtschaft ausgerufenen Kulturpicknicks anzuschließen und Freiluftevents zu kreieren, deren Charakter sich aufweicht, obwohl die Festspielleitung in der Lage ist, mit Qualität zu punkten. Man setzt ein Lebenszeichen mit Klängen, die man auch bei den Festspielen im größeren Rahmen hören würde.

Eine Besonderheit gibt es ohnehin: Die Uraufführung der Oper „Impresario Dotcom“ von Lubica Cekovská ließ sich stemmen. Wer sich einhörte, weiß es: Dem Publikum werden die Ohren übergehen, weil Cekovská, die sich als zeitgenössische Komponistin etabliert hat, auch ihren Spaß mit bekannten Opernarien treibt.

„Was die von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka konzipierten Festtage auszeichnet, ist ein schlüssiges, aber auch überraschendes Programm.“

Christa Dietrich

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