Festspiele im Zeichen von Corona

Kultur / 31.07.2020 • 19:54 Uhr
Als erste von zwei Opern-Neuinszenierungen steht am Eröffnungsabend Richard Strauss‘ „Elektra“ auf dem Programm. apa
Als erste von zwei Opern-Neuinszenierungen steht am Eröffnungsabend Richard Strauss‘ „Elektra“ auf dem Programm. apa

Salzburger Festspiele starten unter strikten Hygieneauflagen ins 100-Jahr-Jubiläm.

Salzburg Im Zeichen ihres 100-jährigen Bestehens und strenger Hygienemaßnahmen beginnen heute, Samstag, die Salzburger Festspiele. Als erste von zwei Opern-Neuinszenierungen steht am Eröffnungsabend in der Felsenreitschule Richard Strauss‘ mythischer Einakter „Elektra“ unter der Regie von  Krzysztof Warlikowski und der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst auf dem Programm, gefolgt von der Wiederaufnahme des „Jedermann“ in der Inszenierung von Michael Sturminger auf dem Salzburger Domplatz. Uraufgeführt 1911 in Berlin, ist das Mysterienspiel aus der Feder von Hugo von Hofmannsthal vor 100 Jahren erstmals in Salzburg gespielt worden, die Jedermann-Premiere vom 22. August 1920 gilt gleichzeitig als Gründungstag der Salzburger Festspiele. Das Stück wurde mit Ausnahme der Jahre 1922 bis 1926 sowie der Zeit von 1937 bis 1945, als Hofmannsthals Werke unter den Nazis nicht gespielt werden durften, jeden Sommer aufgeführt und zum Markenzeichen des Festivals. Die stets ausverkauften Vorstellungen sind finanziell eine sichere Bank, was manchen Überlegungen, das Stück abzusetzen oder auszutauschen, bislang zuverlässig den Boden entzogen hat.

Stück von Peter Handke

Am Sonntag gibt es mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Così fan tutte“ (Regie: Christof Loy, Musikalische Leitung: Joana Mallwitz) im Großen Festspielhaus eine weitere Opernpremiere, anschließend im Landestheater dann die mit Spannung erwartete Uraufführung des Schauspiels „Zdenec Adamec“ aus der Feder von Literaturnobelpreisträger Peter Handke.

Als eines der wenigen großen Musik- und Theaterfestivals in Europa waren die Salzburger Festspiele nicht wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Allerdings wurde das Programm zusammengestrichen. Statt ursprünglich geplanter 200 Vorstellungen an 16 Spielstätten wird es nur 110 Vorstellungen an acht Spielstätten geben. Außerdem gelten strikte Hygienebestimmungen vor und hinter der Bühne. So müssen sich alle Künstler regelmäßig auf das Virus testen lassen und zum Teil ein Kontakttagebuch führen. Für das Publikum gilt Maskenpflicht auf allen Gängen; die Eintrittskarten sind personalisiert. Generell gibt es nur Stücke ohne Pause. Die Buffets bleiben geschlossen.

Weitere Höhepunkte sind ein Zyklus sämtlicher Klaviersonaten Ludwig van Beethovens mit dem Pianisten Igor Levit, eine Konzertreihe der Wiener Philharmoniker, zwei Gastkonzerte der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko sowie ein Arienabend mit Starsopranistin Anna Netrebko und ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov. Am 22. August findet ein Jedermann-Tag im Festspielbezirk und der Felsenreitschule statt, bei dem neben dem aktuellen „Jedermann“ Tobias Moretti auch alt gediente „Jedermann“-Darsteller wie Klaus Maria Brandauer und Peter Simonischek zu erleben sind.

Caroline Peters spielt heuer zum ersten Mal die Buhlschaft, Tobias Moretti zum letzten Mal den Jedermann. Reuters
Caroline Peters spielt heuer zum ersten Mal die Buhlschaft, Tobias Moretti zum letzten Mal den Jedermann. Reuters