Es geht um das kulturelle Erbe

Kultur / 17.07.2020 • 20:31 Uhr
Es geht um das kulturelle Erbe

Sabine Benzer hat Interviews mit
Wissenschaftlern und Philosophen geführt.

Sachbuch „Die Erde selbst ist bekanntlich ein Trümmerhaufen vergangener Zukunft, und die Menschheit die bunt zusammengewürfelte, sich streitende Erbengemeinschaft einer numinosen Vorzeit, die fortwährend angeeignet und umgestaltet, verworfen und zerstört, ignoriert und verdrängt werden muss,“ schreibt die Autorin Judith Schalansky in ihrer Publikation „Verzeichnis einiger Verluste“. So stelle, laut Schalansky, entgegen „landläufiger Annahmen nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit den wahren Möglichkeitsraum dar.“ In der aktuellen Publikation „Kulturelles Erbe. Was uns wichtig ist“, herausgegeben von Sabine Benzer, Geschäftsführerin des Theaters am Saumarkt in Feldkirch, werden u.a. die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, der Ethnologe Bernhard Tschofen, der Kulturvermittler Felipe Polanía Rodríguez, der Autor Franz Schuh, der Philosoph Konrad Paul Liessmann, die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak zu Themen wie was ist Teil des kollektiven kulturellen Erbes? Was hält die Gesellschaft aktuell für wertvoll und vermittlungswürdig? Und wie können Aushandlungsprozesse über kulturelles Erbe heute möglichst inklusiv und vielfältig gestaltet werden befragt.

Die Interviewpartner mit ihren jeweiligen unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten,  wissenschaftlichen Backgrounds und intellektuellen Herangehensweisen garantieren einen sehr vielfältigen und ertragreichen Zugang zu einem kontrovers und intensiv diskutierten Themenfeld, denn das kulturelle Erbe wird gerne „instrumentalisiert, eindimensional dargestellt, einschlägig ausgewählt, kommerziell verwertet oder der nationalen Sache angedient.“ Die einflussreiche deutsche Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann schreibt dazu: „Die Frage, mit welchen Texten man sich identifiziert, welche lebensprägend und orientierend sein sollen, gilt nicht mehr als ein für alle Mal durch die Tradition vorgegeben, sondern als etwas, das immer neu ausgehandelt werden muss.“

“Kulturelles Erbe”, Hg. Sabine Benzer, Folio Verlag, 160 Seiten.