Banksy wird auf dem Pfänder erwartet

Für sein Projekt „Hor(s)t der Kunst“ hat sich Gregor Koller auf die Suche nach dem mysteriösen Künstler gemacht.
Bregenz, Lochau Zum Schnäppchen-Preis gibt es die Inserate im Daily Telegraph nicht, aber eine exzellente Idee und ein Ausstellungsprojekt der Sonderklasse muss einem schon etwas wert sein. Der Meinung war der Kunstvermittler und Galerist Gregor Koller und er fand auch gleich ein paar Mitstreiter bzw. private Unterstützer, als er beabsichtigte, an den mysteriösen Künstler Banksy heranzukommen. Eine Ausstellung in einer ehemaligen Adlerwarte unter dem Gipfel eines Berges mit fantastischem Blick auf einen See gibt es schließlich nicht alle Tage.
„Wir dachten, wir können ihm vielleicht einen Floh ins Ohr setzen“, erklärte Gregor Koller auf Nachfrage der VN. Gesagt, getan, denn man inserierte im Daily Telegraph einen Aufruf an Banksy, erklärte, dass die diesjährige Ausstellung in den Greifvogelvolieren auch noch den Titel „Schall und Rauch“ trägt, also mit dem Verweis auf die flüchtige Erscheinung genau auf das zutrifft, für das Banksy bekannt ist. Koller: „Wir bleiben zuversichtlich, dass es irgendein Zeichen von ihm gibt. Wer weiß?“

So gut wie niemand kennt seine Identität, er stammt wahrscheinlich aus Bristol, tritt aber nie persönlich auf, schafft meistens Kunstwerke an öffentlichen Orten, kritisiert den Kunstmarkt, ruft zur Reflexion bezüglich der Lebensweise in der westlichen Welt auf und erreicht mit seinen Arbeiten bei Auktionen mittlerweile Rekordsummen. Ob es ihm überhaupt passt, dass er mittlerweile Kult ist, bleibt allerdings ungeklärt. Zu den bekanntesten Aktionen zählt das Schreddern des Werks „Girl with Balloon“ direkt während es bei einer Auktion den Zuschlag erhielt und einen hohen Preis erzielte. Diese angebliche Verhöhnung der Kunstmarktmechanismen hat den Marktwert seiner Arbeiten jedenfalls entscheidend erhöht. Das halb zerstörte Bild wurde danach im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ausgestellt, bevor es der Staatsgalerie Stuttgart einen enormen Anstieg der Besucherzahlen bescherte. In den Wiener Sofiensälen wird gerade eine Banksy-Dokumentation vorbereitet, die es ab 23. Juli zu sehen gibt.
Das Publikum liebt offenbar solche Aktionen. Es wird allerdings auch mit seinen Empathiedefiziten konfrontiert. Zu den jüngsten Arbeiten von Banksy zählt ein Migrantenkind, bei der letzten Biennale in Venedig verwies er auf die Umweltzerstörung durch die riesigen Kreuzfahrtschiffe und vor wenigen Wochen meldete er sich aus dem Homeoffice mit dem Vermerk, dass es seine Frau hasst, wenn er zu Hause arbeitet. Ein Grund mehr also, die eigenen vier Wände zu verlassen, Bregenz, der Bodensee und vor allem auch Künstlerinnen und Künstler wie Alexandra Wacker, Edgar Leissing, Tone Fink, Gernot Riedmann, Lorenz Helfer, Chistoph Lissy oder Barbara Husar haben einiges zu bieten.
Eröffnung der Ausstellung in der Greifvogelwarte auf dem Pfänder am 11. Juli, 17 Uhr, zu sehen bis 31. August.