Junge Musiker haben das Beste aus der Situation gemacht

Das Sinfonieorchester des Landeskonservatoriums hat gegen den Stillstand angespielt.
FELDKIRCH Diese Sommermatinee war am Sonntagvormittag im Landeskonservatorium ein Konzert, wie man es hier noch nie erlebt hat und hoffentlich auch nie wieder erleben wird. Natürlich stand auch diesmal die Musik im Mittelpunkt, entscheidend aber war für die meisten wohl die Tatsache, dass nach einer durch den Lockdown verursachten, fast viermonatigen Pause erstmals überhaupt wieder am Haus musiziert wurde, live, mit echten jungen Musikern, die mit aller Hingabe gegen den Stillstand anspielten. Die Musik ist damit ans Konservatorium zurückgekehrt.
Der so lange lahmgelegte Konzertbetrieb am Haus konnte wegen der bekannten Vorgaben natürlich nicht gleich in voller Stärke loslegen. Man reduzierte, so Direktor Jörg-Maria Ortwein, das geplante Festkonzert als Alternative, nicht als Ersatz zu einer Sommermatinee, und anstelle des Sinfonieorchesters spielte ein 23-köpfiges Streichorchester, das von Benjamin Lack sorgfältig und in kurzer Zeit auf diese Aufgabe vorbereitet worden war.
Vom Eingang bis zu ihrem Sitz besteht Maskenpflicht für die Besucher, die neue Normalität also. Etwas gespenstisch dann die Situation im Saal, wo mit rund 100 Zuhörern gerade das erlaubte Viertel eines normalen Konzerts mit entsprechenden Abständen Platz genommen hat und dabei etwas verloren wirkt. Die Akustik ist mangels größerer Menschenansammlung eine andere, klingt räumlicher als gewohnt. Aber Benjamin Lack hat auch diese Situation klug im Griff und erreicht so nach einer kleinen Einspielphase des gegenseitigen Aufeinander-Einhörens einen geschlossenen, gehaltvollen Streicherorchesterklang von großer Intensität und Flexibilität.
Voll Ambition und Leistungswillen
Das ist vor allem auch notwendig für die besonderen Aufgaben, fünf verschiedene Solisten mit ihren jeweiligen Anforderungen stilsicher korrekt zu begleiten. Und da präsentiert sich dem Publikum eine Parade von Hochbegabungen voller Ambition, Leistungswillen und jugendlicher Unerschrockenheit, ein hochkarätiges Leistungspaket, alle zwischen 18 und 20 Jahre Jahre alt und nach reichlich Erfahrungen in Wettbewerben auch hier bereit, das Beste zu geben. Als Erste geht Julia Ziegler aus Wangen im Allgäu (Klasse Julia Fritz) mit ihrer Blockflöte ins Rennen. Ihr Vivaldi-Konzert klingt gar nicht nähmaschinenhaft monoton, ist dank gekonnter Phrasierung erfüllt von sprühender Lebendigkeit. Ein Werk des Franzosen Roland Dyens bedeutet einen Sprung in die unmittelbare Gegenwart und gibt dem in Liechtenstein lebenden österreichischen Gitarristen Ulrich Huemer (Klasse Augustin Wiedemann) Gelegenheit, mit großer Fertigkeit und Überlegenheit auf seiner wunderbaren Konzertgitarre den Zauber mediterraner Klänge zu entfalten.

Als außergewöhnliches Talent auf der Klarinette ist der Dornbirner Paul Moosbrugger schon früher aufgefallen, jetzt zeigt der zunächst von Martin Schelling und seit 2016 in der Klasse von Francesco Negrini ausgebildete Musiker allerhöchste tonliche und gestalterische Qualität, indem er ein kurzes, hochromantisches Adagio in Des-Dur von Heinrich Joseph Bärmann mit einer breiten Farbskala, singenden Kantilenen und feinen dynamischen Schattierungen ausstattet. Eine Art freundschaftliches Duell zwischen zwei Cellisten folgt anhand von zwei Sätzen aus dem Konzert von Edward Elgar. Die in Spanien geborene Mar Gimferrer (Klasse Beatriz Blanco) hat das Adagio gewählt, das sie mit sinnlichem Ausdruck und enormer Intensität erfüllt. Besondere Anforderungen an festen Zugriff und Attacke ergeben sich im Allegro für den aus Überlingen stammenden Felix Brunnenkant (Klasse Mathias Johansen), wobei mit der heiklen Begleitung auch das Orchester enorm gefordert ist.
Am Schluss darf sich, wie sonst gewohnt, auch einmal das Orchester allein vor den Vorhang stellen. Benjamin Lack hat dafür ein Werk von Edvard Grieg für Streichorchester gewählt, die Suite „Aus Holbergs Zeit“, die mit ihrem vertrauten nostalgischen Flair eine wunderbar pointierte, energetisch aufgeladene Wiedergabe von großer Ernsthaftigkeit erfährt. Das Publikum ist dankbar für alle, die das möglich und das Beste daraus gemacht haben. Fritz Jurmann