Wegbereiter für die Kunst
Einfach ist es nicht, die Verdienste von Oscar Sandner um die Kunst in Vorarlberg und besonders in Bregenz einzuordnen. Sandner war nicht nur leidenschaftlicher Vermittler zeitgenössischer Kunst, er war selbst auch Künstler, hat Hörspiele, Theater, Prosa und Gedichte geschrieben. Noch wichtiger denn als Künstler war er aber als Ermöglicher von Kunst. Mehr als vier Jahrzehnte, von 1955 bis 1998, war er Kulturamtsleiter von Bregenz und er legte in dieser Zeit den entscheidenden Grundstein dafür, dass sich Bregenz heute als Kulturstadt bezeichnen kann. Anfang der Woche ist Oscar Sandner im begnadeten Alter von 93 Jahren gestorben.
Als Leiter des städtischen Kulturamtes hat Oscar Sandner in einer Zeit, als man in Vorarlberg das Wort Kultur kaum buchstabieren konnte, gezeigt, was man in so einer Position bewirken kann. Allerdings auch mit dem Glücksfall, dass Sandner mit Bürgermeister Karl Tizian einen Politiker hatte, der um die Wichtigkeit von Kunst und Kultur wusste. Beide belegten zudem ein Studienjahr am Österreichischen Kulturinstitut in Rom. Die italienische Hauptstadt sollte für Sandner nicht nur zu seinem Sehnsuchtsort, sondern auch zu längerem Aufenthaltsort werden.
Oscar Sandner hat die Reihe der großen Sommerausstellungen im Bregenzer Künstlerhaus begründet. Mit seinen Überblicksausstellungen zum Barock am Bodensee, zu Angelika Kauffmann (natürlich auch mit Schwerpunkt Rom) oder zur antiken Stadtgeschichte mit „Götter und Römer“. Er zeigte zeitgenössischer Kunst zu Oskar Kokoschka oder „Englische Kunst der Gegenwart“. Dabei wurde der Stadt 1977 auch eine Skulptur von Henry Moore angeboten, die über Vermittlung von Sandner um den fast lächerlichen Betrag von 300.000 Schilling am Aufstellungsort in den Seeanlagen verbleiben hätte können. Die Stadt aber lehnte ab. Ganz besonders kümmerte sich Sandner um die Vorarlberger Künstler, nicht zuletzt bei Bauten der Stadt Bregenz, für die er immer auch „Kunst am Bau“ in höchster Qualität und Quantität forderte. Besonders lagen im dabei Hubert Berchtold, Heinz Greissing und Gottfried Bechtold am Herzen, zu denen er auch wesentliche Veröffentlichungen vorlegte. Nicht zuletzt hat Sandner auch in der Musik Marksteine gesetzt, indem er Stars der Klassik – es sei an Arturo Benedetti Michelangeli erinnert – oder des Jazz – Keith Jarrett und Chick Corea seien genannt – nach Bregenz brachte. Und nicht zuletzt: Er war einer der Väter der Randspiele.
Die Verdienste von Oscar Sandner können hier nicht ausreichend gewürdigt werden. Vielleicht aber ergibt sich für die Stadt Bregenz eine Möglichkeit, wenn sie in Kürze ihre Sommerausstellung im Künstlerhaus eröffnet. Es wäre der richtige Platz, um an den Gründer der Ausstellungen und an die großen Verdienste von Oscar Sander zu erinnern.
„Die Verdienste von Oscar Sandner können hier nicht ausreichend gewürdigt werden.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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