So geht Theater in Zeiten einer Pandemie

Kultur / 25.06.2020 • 09:00 Uhr
So geht Theater in Zeiten einer Pandemie
Die Darsteller präsentieren Monologe aus der Weltliteratur. Die Premiere findet auf der Wiese vor dem Freudenhaus statt. UNPOP

Ein theatrales Gemeinschaftsprojekt widmet sich der Weltliteratur.

Lustenau Fünf Sockel, fünf Darsteller, vier mal fünf Monologe aus der Weltliteratur, von den alten Griechen über Shakespeare bis zu Klassikern des 19. Jahrhunderts. Das sind die Zutaten für die theatrale Intervention „Schauspiel ohne Grund“, die heute Abend auf der Wiese vor dem Lustenauer Freudenhaus Premiere feiert. Das Projekt zeigt eindrücklich, dass in der Krise auch eine Chance für neue Theaterformate liegt. An verschiedenen Plätzen im öffentlichen Raum wird in den kommenden Tagen gezeigt, dass Theater auch in Zeiten einer Pandemie erlebt werden kann. „Entstanden ist die Idee während des kulturellen Stillstands, als die weiteren Maßnahmen für den Sommer noch nicht absehbar waren. Ich wollte zeigen, dass Theater nach wie vor besteht“, sagt Initiator Willi Pramstaller (Caravan). Er hat es sich zum Ziel gesetzt, ein außergewöhnliches Gemeinschaftsprojekt zu initiieren, das trotz vieler Einschränkungen durchführbar ist. Für dieses konnte er das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung von Stephan Kasimir und Caro Stark und das von Brigitte Walk geleitete Walktanztheater gewinnen.

Ähnlich wie bei einer Ausstellung werden unter der künstlerischen Leitung von Stephan Kasimir die Darsteller Maria Fliri, Anwar Kashlan, Nico Raschner, Maria Strauss und Brigitte Walk im öffentlichen Raum auf Sockeln positioniert. Auf diesen zitieren sie 20 Monologe aus der Weltliteratur. Ausgewählt wurden Texte von Aischylos, Georg Büchner, Friedrich Schiller, Heinrich von Kleist, Molière oder William Shakespeare, die als Loop wiederholt werden. „Besucher oder zufällig vorbeigehende Passanten sind bei freiem Eintritt dazu eingeladen, den Texten zu lauschen und von einem Sockel zum anderen zu gehen“, sagt Pramstaller.

Ein Mahnmal

Stephan Kasimir sieht die theatrale Intervention im öffentlichen Raum als Mahnmal dafür, dass Kunst nicht in Vergessenheit geraten soll. Die Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus haben, so Kasimir, für Kulturschaffende gravierende finanzielle Folgen. Das Theaterprojekt „Schauspiel ohne Grund“ soll aber auch aufzeigen, wie wichtig die Inhalte sind, die Künstler zu vermitteln haben und was ohne sie verlorengehen würde. „Die Weltliteratur hat unsere Gesellschaft über Jahrhunderte geprägt und ist Teil unseres kollektiven Gedächtnisses“, betont Kasimir.

Termine:

25. Juni: Lustenau, Freudenhaus, 20 Uhr

26. Juni: Feldkirch, Neustadt, 17 und 19 Uhr,

27. Juni: Dornbirn, Hof der Inatura, 17 und 19 Uhr,

28. Juni: Bregenz, Symphonikerplatz, 15 und 17 Uhr; Eintritt frei