Prinz Grizzley: “Ohne Musik hat etwas gefehlt”

Kultur / 25.06.2020 • 20:00 Uhr
Prinz Grizzley: "Ohne Musik hat etwas gefehlt"
„Ich versuche, mir treu zu bleiben und meine eigene Geschichte zu erzählen“, sagt Christoph Comper alias Prinz Grizzley.  PIAPIAPIA

Der Bregenzerwälder Musiker Christoph Comper hat in sein neues Album “To My Green Mountains Home” viel Persönliches gepackt.

Egg Die Coronakrise hat auch den Bregenzerwälder Musiker Christoph Comper, besser bekannt als Prinz Grizzley, zur Pause gezwungen. Nun gibt es mit dem Release seines Albums „To My Green Mountains Home“ für Freunde des Americana-Sounds wieder etwas auf die Ohren. Im Interview erzählt der 37-Jährige, was er während der Krise vermisst hat und was auf dem neuen Album, das vom texanischen Musiker Beau Bedford produziert wurde, zu hören ist. „Während das erste Album eher ruhiger war, darf man sich diesmal auf einige Knaller freuen“, gibt Chris Comper einen Vorgeschmack.

Eigentlich solltest du derzeit mit deinen Beargaroos Konzerte geben und dein Album promoten. Corona durchkreuzte diese Pläne. Wie hast du die Krise erlebt?

Am 5. März habe ich noch ein Konzert in Innsbruck gespielt, damals hätte ich nicht gedacht, dass das mein letzter Auftritt für lange Zeit sein wird. Es folgten viele Absagen. Auch für August geplante Konzerte in England und Schweden fallen leider flach. Das ist bitter.

Waren die Maßnahmen der Regierung überzogen?

Man hat sicher etwas richtig gemacht, sonst hätte man das Problem nicht so gut in den Griff bekommen. Dennoch ist eine Art Panikmache entstanden und man hat mit der Angst der Bevölkerung gespielt. Uns Künstler traf es sicherlich hart, aber auch Licht- und Tontechniker sowie Veranstalter und viele mehr leiden unter der Situation. Man hat unterschätzt, wie viel da eigentlich zusammenhängt. Viele stehen am Ende mit nichts da. Ich bin froh, dass ich im Nebenberuf Maler bin und eine Sicherheit hatte.

Nach langer Pause hattest du die Gelegenheit, bei einem Autokinokonzert in Egg aufzutreten. Wie war es, wieder auf der Bühne zu stehen?

Das Autokinokonzert war einzigartig und genial. Ich habe es unglaublich genossen. Die letzten zwei Jahren waren wir viel unterwegs und haben auch im Ausland zahlreiche Konzerte gegeben. Wenn auf einen Schlag nichts mehr möglich ist, merkt man erst, dass etwas fehlt. Man kann es zuerst nicht benennen. Aber es war die Musik, sie ist ein großer Teil meines Lebens.

Heute veröffentlichst du dein neues Album „To My Green Mountains Home“. Dem Titel nach eine Hommage an deine Heimat, den Bregenzerwald?

Ja, das Album ist schon sehr persönlich. Ich erzähle Geschichten von mir und meiner Beziehung zum Bregenzerwald. Viele Musiker des Americana-Genres kopieren neben dem Sound auch den Inhalt amerikanischer Beispiele. Sie nutzen häufig überholte Phrasen und singen von Pickuptrucks oder Cowboyhüten. Über solche Dinge möchte ich nicht schreiben, weil ich sie nicht kenne und selbst nur zwei Mal in Amerika war. Ich versuche, mir treu zu bleiben und meine eigene Geschichte zu erzählen und nicht eine, von der ich gelesen habe.

In Amerika kommen deine Geschichten jedenfalls gut an.

Ja, das ist glaube ich auch der Grund. Die Menschen sehen, dass ich nicht jemand bin, der versucht, etwas zu kopieren. Da macht das Ganze auch so interessant für das amerikanische Publikum. Es ist einzigartig.

Was erhoffst du dir für die Zeit nach Corona?

Ich glaube, dass ich die Krise auch nächstes Jahr noch spüren werden. Viele Veranstalter behalten ihr Line-up und haben schon das Meiste für kommendes Jahr fixiert. Da kann man nur hoffen, dass man an Auftritte kommt.

“To My Green Mountains Home” erscheint am Freitag, 26. Juni; erhältlich im Musikladen Feldkirch. Release-Konzert: 11. September, Spielboden; Bezau Beatz: 8. August