Der Realität zu Leibe rücken

Neue Arbeiten von Heinrich Salzmann im Arthouse Bregenz.
BREGENZ Satte, leuchtende Farben und die Motive auf der Leinwand so gestochen scharf realistisch, dass es fast weh tut. Der Wirklichkeit mit dem Pinsel so zu Leibe rücken, dass die Dinge in ihrer Wahrhaftigkeit beinahe unwirklich erscheinen, das zelebriert in dieser Perfektion hierzulande nur einer – der Dornbirner Maler Heinrich Salzmann. Immer wieder schafft er es, unser vermeintliches Wissen über die dingliche Welt in Frage zu stellen, das scheinbar Vertraute in etwas Fremdes zu verwandeln und unser Sehen auf die Spitze zu treiben. Das lässt sich auch in den neuen Arbeiten des Künstlers überprüfen, die noch bis 27. Juni in der Galerie Arthouse zu sehen sind.
Fotografische Vorlage
Die in verlockender Schnelle virtuell erschaffenen Realitäten sind nicht Heinrich Salzmanns Ding. Der 1959 geborene Künstler hat sich vielmehr analogen, zeitaufwendigen Prozessen und dem dinglichen Gegenstand verschrieben. Auch wenn er seine Szenarien in jüngerer Zeit seltener bühnenartig aufbaut und inszeniert, sondern vermehrt auf fotografische Vorlagen aus Magazinen und Heften, aber auch auf eigene Schnappschüsse und die Bilder von Freunden zurückgreift. Entsprechend hat sich das Spektrum an Themen und Motiven im Schaffen erweitert. Es gibt sie zwar immer noch, die Fetische des Konsums und kleinen Banalitäten des Alltags, wie die geöffnete Dose mit Schiwachs, die in einer Mischung aus Nüchternheit und Magie wie ein kostbares Exponat wirkt, oder die Kippen im überquellenden Aschenbecher, die der Blick des Künstlers in Nahaufnahme förmlich zu sezieren scheint.
Altmeisterlich genau
Dazu gesellen sich Bilder von einem Schiffsfriedhof, das hochaufragende „Haus Nr. 5“ in Madrid, die „Möwe bei Tisch“, die sich von den Essensresten auf einem Teller bedient, oder ein Blick auf den Dornbirner Marktplatz an einem strahlenden Sommermorgen, auf dem man sogar einzelne stadtbekannte Persönlichkeiten identifizieren kann. Dazwischen das Interieur eines Riva-Boots in Venedig, dessen Patina und abblätternder Glanz durch die altmeisterlich-präzise Malweise seltsam bedeutungsvoll in den Fokus rücken, ein Mädchenkopf mit Lockenwicklern, ein buntes Sommerblumen-Arrangement oder der ins Überdimensionale vergrößerte Blick ins Innerste einer Sonnenblume, das zur sich fast auflösenden Struktur wird. Die malerische Welt des Heinrich Salzmann ist bunt und schön, aber keinesfalls oberflächlich. Zwischen Stofflichkeit und Materialität, zwischen dem gleißenden Licht, in das er seine Motive taucht, und den Schatten, die sie werfen, stehen immer die Befindlichkeiten im Mittelpunkt.


Die Ausstellung ist in der Galerie Arthouse, Römerstraße 11, Bregenz, bis 27. Juni geöffnet, Mo bis Fr von 14 bis 18 Uhr, Sa von 10 bis 12 Uhr.