Eine erste Favoritin

Das Rennen um den Bachmann-Preis geht ins Finale.
Klagenfurt Die älteste Teilnehmerin, die 80-jährige Helga Schubert, hat am Freitag den zweiten Lesetag der 44. Tage der deutschsprachigen Literatur eröffnet und sich dabei als erste Favoritin etabliert. Coronabedingt findet die traditionsreiche Veranstaltung zur Vergabe des Bachmann-Preises vorwiegend digital statt. “Vom Aufstehen” heißt der sich mit der Mutter der Erzählerin auseinandersetzende Text, den Schubert im Garten ihres Hauses in Nordwestmecklenburg, untermalt von Vogelgezwitscher, vorlas. Die Jury-Diskussion eröffnete Jurysprecher Hubert Winkels mit einem lobenden Monolog. “Ich liebe Sie”, sprach der Juror Philipp Tingler die Autorin direkt an und lobte Vortrag und Text, der seiner Meinung nach jedoch “nicht alle Möglichkeiten ausschöpft” und auch handwerkliche Defizite aufweise. Für Klaus Kastberger ist es ein autobiografischer Text, der zwar “manchmal klischeehaft” sei, ihn aber “sehr beeindruckt” habe. Immer wieder unterbrochen von heftigen grundsätzlichen Diskussionen über fiktionales und autobiografisches Schreiben formulierten Michael Wiederstein und Nora Gomringer manche Einwände, während Brigitte Schwens-Harrant und Einladerin Insa Wilke viele lobende Worte fanden. Insgesamt scheint Schubert gute Chancen auf einen der am Sonntag zu verleihenden Preise zu haben.