Schon immer von der Musik umgeben
Mit 23 Jahren ist Raphael Lins der jüngste unter den angehenden Komponisten des Landes.
FELDKIRCH „Musik braucht nicht lange erklärt zu werden, sie spricht für sich selbst. Man muss nur zuhören.“ Mit diesem Motto, das er von seinem Kompositionslehrer am Konservatorium, dem international renommierten Herbert Willi, übernommen hat, kam Raphael Lins in den Ruf des wortkargen, introvertierten Musikers, der sich nur über seine Werke in Tönen auszudrücken versteht. Für dieses VN-Porträt in der Reihe junger Vorarlberger Komponisten hat Raphael Lins seine Zurückhaltung abgelegt und Einblick in sein Schaffen gegeben.
„Musik war praktisch immer da, zu Hause, im Musikgymnasium. Ich hätte ihr nur schwer ausweichen können, selbst wenn ich gewollt hätte“, erzählt Lins. Er studierte zunächst Posaune bei Josef Amann am Konservatorium und erwarb sich so eine Vertrautheit auch im Schreiben für Blechbläser. 2015 und 2016 entstanden sieben Stücke für drei Trompeten, ein Blechbläsertrio und ein Quintett für diese Besetzung. Über Vermittlung des beim Orchester des Hessischen Rundfunks als Solotrompeter engagierten Götzners Jürgen Ellensohn kamen diese Werke dort zur Uraufführung und errangen Achtungserfolge. Lins: „Anfangs hat es mich einfach nur fasziniert, Noten auf Papier zu malen.“ Diese Faszination hat sich dann irgendwann verbreitert und so vertieft, dass er 2014 am Konservatorium mit einem künstlerischen Diplomstudium in Komposition bei Herbert Willi begann, mit dem ihn auch nach seinem Studienabschluss bis heute ein freundschaftlich-kollegialer Kontakt verbindet.
Viel Anerkennung
In dieser Zeit entstand auch sein Vibraphonkonzert, das 2018 bei „Texte und Töne“ im ORF mit dem Solisten Markus Kessler und dem Ensemble plus erstmals im Land auf den jungen Musiker aufmerksam machte und ihm viel Anerkennung eintrug. „Rasch entfaltete sich im Kontakt zwischen Solisten und Ensemble eine virtuose Wechselbeziehung, die mit einer weiten Klangfläche und einer mit Drive ausgeformten, jazzig angehauchten Schlussphase überraschte“, schrieb Silvia Thurner über diese Uraufführung. Der Komponist selbst erläutert die Entstehung des Werkes: „Bei mir war der Gedanke an das Soloinstrument der Ausgangspunkt für alles, was darum herum passiert. Dieses Arbeiten um ein gegebenes Instrument herum, die Erweiterung, Verstärkung, Vergrößerung ist es, wo ich mich besonders hingezogen fühle.“ Die rein technische Arbeit des Komponierens passiert dann auf dem Notenpapier, das Klavier ist Kontrolle, am Ende steht der PC, der festhält, was aus seinem Experimentieren mit Einfällen geworden ist. Dabei geht es ihm nicht darum, besonders modern zu komponieren. Immerhin aber nennt er Namen wie Edgar Varèse, Anton von Webern, Iannis Xenakis oder György Kurtág, die ihn prägten.
2019 beendete Raphael Lins sein Kompositionsstudium bei Herbert Willi mit ausgezeichnetem Erfolg. Seine Abschlussarbeit heißt „Präteritum“ („Mitvergangenheit“) und wurde im Juli des Vorjahres beim Schlusskonzert im Feldkircher Montforthaus vom Sinfonieorchester des Landeskonservatoriums unter Benjamin Lack mit großem Erfolg uraufgeführt. Das Werk zeigte sein mittlerweile großes Potenzial eindrücklich auf, mit „farbenreich instrumentierten Klangkonstellationen in vielgestaltigen Spannungsverhältnissen ausgelotet und zueinander in Beziehung gesetzt“ (Silvia Thurner). Als Weiterführung seines Kompositionsstudiums ist Lins mittlerweile auf ein Tonmeister-Studium in Wien gestoßen: „Ich denke, dass in Zukunft ein Komponist sehr vieles selber herstellen oder auch produzieren wird, auch interessiere ich mich sehr für elektronische Musik und derartige Möglichkeiten der Klangerzeugung. So freue ich mich auf diese universitäre Weiterbildung in der Kulturstadt Wien. Was die nächsten Schritte sind, ist noch völlig offen. Was immer es sein wird – ich freue mich drauf!“