Symphonieorchester Vorarlberg startet mit Mut in die neue Saison

Kultur / 17.06.2020 • 16:30 Uhr
Symphonieorchester Vorarlberg startet mit Mut in die neue Saison
Zu Neujahr spielt das SOV im Großen Festspielhaus in Salzburg unter Leo McFall. Solist ist Kian Soltani. VN/MATHIS

Große Werke der Orchesterliteratur und spannende Entdeckungen stehen auf dem Programm der neuen Saison.

Bregenz Knapp 1,6 Millionen Euro betrug 2019 das Gesamtbudget des Symphonieorchesters Vorarlberg, 594.000 Euro steuerten das Land und der Bund bei. Dass sich das Symphonieorchester zu etwa zwei Dritteln selbst finanziert, bezeichnet SOV-Präsident Manfred Schnetzer bei der Programmpräsentation für die Saison 2020/21 als einzigartig in der Kulturbranche. Es spiegle aber durchaus den wirtschaftlichen Druck wider. “Wir müssen das spielen, was dem Publikum gefällt”, unterstreicht Schnetzer. Finanziell erfreulich sei, dass die Zahl der Abonnenten 2019 erstmals die 2000er-Grenze überschritten hat und der Einzelkartenverkauf angestiegen ist. Die Abo-Konzerte waren 2019 zu 95,3 Prozent ausgelastet.

Vor halbem Publikum

Die Coronakrise hat auch das Symphonieorchester zu monatelanger Zwangspause gezwungen; eine Zeit, die der neue Chefdirigent Leo McFall und SOV-Geschäftsführer Sebastian Hazod dazu nutzten, in zahlreichen Videokonferenzen am neuen Programm zu feilen. Coronabedingt werden die ersten beiden Abokonzerte im September und Oktober doppelt gespielt, dafür nur vor halbem Publikum im Montforthaus Feldkirch und im Festspielhaus Bregenz. “Das ist die einzige Möglichkeit, um ausgeglichen finanzieren zu können”, begründet Hazod. Finanzierbar seien die doppelten Aufführungen vor allem deshalb, weil nur ein kleiner Teil der Abonnenten nach der Absage der zwei Konzerte im Frühjahr den Kartenpreis zurückerstatten ließ. Es gelte abzuwarten, welche Bestimmungen im Spätherbst noch gelten werden. Trotz Ungewissheit habe man laut Hazod den Wunsch gehabt, die neue Saison mit Mut anzugehen.

Bregenzer Festtage

Neben sechs planmäßigen Abokonzerten stehen in diesem Sommer auch “Musikalische Spaziergänge” im öffentlichen Raum in drei Vorarlberger Städten auf dem Programm, die Ensembles aus Mitgliedern des Symphonieorchesters gestalten. Zudem gastiert das SOV, wie berichtet, bei den von den Bregenzer Festspielen veranstalteten Bregenzer Festtagen. Geplant ist eine Matinee (16. August) ohne Pause unter “Rigoletto”-Dirigent Enrique Mazzola und Solistin Mèlissa Petit sowie eine gekürzte Fassung der für heuer geplanten Uraufführung von “Impresario Dotcom” von Lubica Cekovska. “Das ist ein großartiges Geschenk nach der traurigen Absage der Festspiele”, betont Sebastian Hazod.

Wie ein roter Faden ziehen sich wichtige Werke der Orchesterliteratur sowie spannende Neuentdeckungen durch das Aboprogramm. Chefdirigent Leo McFall wird drei der sechs Abokonzerte leiten, darunter eine konzertante Aufführung von Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“. Stardirigent Kirill Petrenko wird im Oktober den großen Mahler-Zyklus beenden, den er vor zwölf Jahren in Bregenz begonnen hatte. Ehrendirigent Gérard Korsten steht in dieser Saison mit Werken von Beethoven, Britten und Mozart am Pult.

Zum Ende der Saison stehen gleich zwei Mal Werke von Bruckner auf dem Programm. Beim letzten Abokonzert dirigiert Leo McFall Bruckners 6. Symphonie. Eine Woche später wird das Abschlusskonzert aus der diesjährigen Saison nachgeholt, das coronabedingt nicht stattfinden konnte. Nicholas Milton dirigiert die 3. Symphonie des großen Oberösterreichers. Gemeinsam mit Leo McFall will Hazod dem Vorarlberger Publikum jedes Jahr eines der großen Werke von Bruckner anbieten. Als Opernproduktion mit dem Vorarlberger Landestheater realisiert man, wie bereits bekannt gegeben, Georg Friedrich Händels “Jephtha” mit Regisseur Stefan Otteni und Dirigent Heinz Ferlesch.

Silvester- und Neujahrskonzert

Als ganz besondere Ehre bezeichnet Sebastian Hazod die erstmalige Aufführung zu Neujahr im Großen Festspielhaus in Salzburg. Am Pult wird Chefdirigent Leo McFall stehen, Solist ist der Vorarlberger Cellist Kian Soltani. Tags zuvor wird das Programm mit Werken von Rossini, Haydn und Beethoven auch im Montforthaus Feldkirch zu hören sein.