Kein Pleitegeier in Sicht, die Greifvogelwarte wird bewohnt

Kultur / 10.06.2020 • 20:30 Uhr
Kein Pleitegeier in Sicht, die Greifvogelwarte wird bewohnt
Zum fünften Mal präsentiert Gregor Koller zeitgenössische Kunst im außergewöhnlichen Umfeld, nämlich in der ehemaligen Adlerwarte unter der Pfänderspitze. VN/PS

Die Aktion „Hor(s)t der Kunst“ wird trotz aller Auflagen auch heuer auf den Pfänder locken.

Bregenz, Lochau Die Greifvögel sind schon lange ausgeflogen und das ist sicher auch gut. Für irgendeine Mutation des Vogelgrippevirus sind sie jedenfalls nicht verantwortlich zu machen. Dass die immer noch bestehende Adlerwarte unter der Pfänderspitze zumindest im Sommer nicht unbewohnt bleibt, dafür sorgte seit einigen Jahren der Galerist und Kunstvermittler Gregor Koller. Als Besonderheit eingeführt und auch von den anspruchsvollen Kunstbetrachtern durchaus gutgeheißen, wird die Aktion „Hor(s)t der Kunst“ jeweils mit Spannung erwartet.

Sie im Sommer, in dem alles anders ist, auszusetzen, hätte niemandem behagt. Im Gespräch mit den VN kann Koller beruhigen, die Ausstellung wird es geben, auch wenn die Verhandlungen aufgrund des verdammten Virus, das uns zum Abstandhalten zwingt und das Reisen einschränkt, äußerst schwierig waren. Abgesehen davon war auch die Finanzierung in einer Saison mit virusbedingten Pleitegeiern aufwendiger als sonst, Koller braucht private Geldgeber, um am Pfänderhang Kunst präsentieren zu können. Er hat sie gefunden.

Auf der Suche nach Banksy

„Schall und Rauch“ will Gregor Koller die Aktion heuer betiteln. Bedeutungen zu hinterfragen sei das Um und Auf; auch mit der Vorgabe, flüchtige Erscheinungen zu thematisieren, sei er bei den Künstlerinnen und Künstlern gut angekommen. Gottfried Bechtold, Ona B., Gernot Riedmann, Tone Fink, Lorenz Helfer oder Arno Egger sind längst am Arbeiten. Eine Reihe weiterer Künstlerinnen und Künstler werde zudem vertreten sein. Koller: „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Pfänderbahn wird in Betrieb sein, außerdem fährt ein Bus hinauf und Wanderrouten gibt es gleich mehrere.“

„Schall und Rauch scheint mir das geeignete Thema für die Coronazeit zu sein.“

Gregor Koller, Galerist

Einfach ein Werk in die Voliere zu hängen, entsprach noch nie dem Projekt, das vor vier Jahren gestartet wurde. Ob man es glaubt oder nicht, Gregor Koller machte sich auch auf die Fährte des britischen Streetart-Künstlers Banksy. Überraschendes könnte es zu sehen geben. Darüber hinaus will Gregor Koller die große Plattform in der Anlage auch Tänzern oder Schauspielern zur Verfügung stellen. Das ist in Coronazeiten mit noch mehr Auflagen verbunden, aber wenn sich das Virus nicht plötzlich auf dem Pfänder festsetzt, ist vom 11. Juli bis Ende August jedenfalls mit der fünften Auflage von „Hor(s)t der Kunst“ zu rechnen.