Das Vorarlberg Museum taucht ab

Der Bregenzer Kunstsommer wird vom Künstlerhaus, KUB und Martinsturm bestimmt.
Bregenz “Unsere Ausstellung über die Schönheit ist eine umfangreiche Angelegenheit, die in den bisherigen Museen große Menschenmengen angezogen hat, das ließ sich mit der aktuellen Situation schlecht abstimmen”, berichtet Stefan Sagmeister im Gespräch mit den VN aus dem fernen New York. Der aus Bregenz stammende Grafik-Designer hatte die gemeinsam mit Jessica Walsh gestaltete Schau “Beauty”, wie berichtet, vor eineinhalb Jahren im MAK in Wien erstmals zeigen können. Danach führte sie in Frankfurt und Hamburg zu anregenden Diskussionen. Die für heuer angekündigte Präsentation in Bregenz ist nach der Absage durch das Vorarlberg Museum in weite Ferne gerückt, denn erstaunlicherweise ist sie nicht einmal für kommendes Jahr vorgesehen, sondern erst im Jahr 2022. Zuvor soll sie noch in der Fondation d’entreprise Martell in Frankreich gezeigt werden, danach in China.
Kein Alternativ-Programm
Eine Viertelmillion Menschen haben sie bisher gesehen, erzählt Sagmeister erfreut. Das Architekturland Vorarlberg wird bei den Stationen in Europa so ziemlich an den Schluss gereiht. Wer das Konzept “Beauty” genau verfolgte, der weiß, dass ein zentrales Projekt aus dieser informativ-unterhaltsamen Zusammenstellung zum Thema Schönheit in Architektur und Design im Sommer 2018 auf der Biennale in Venedig glänzte. Verena Konrad, die Leiterin der Vorarlberger Architekturinstituts, die damals für den Österreich-Pavillon verantwortlich war, lud das Duo Sagmeister/Walsh ein. Erst vier Jahre später kommt das Thema ins Land. Im Vorarlberg Museum bevorzugt man eine hinterfragbare Zeitrechnung. Die Wiederöffnung nach dem Corona-Lockdown erfolgte zudem zögerlich erst vor wenigen Tagen. Im Juni ist das große Haus am Kornmarkt nur an vier Tagen in der Woche geöffnet. Von “null auf hundert” zu gehen, erachtet Direktor Andreas Rudigier als “komisch”, ein Alternativ-Programm zur abgesagten großen Sommerausstellung zusätzlich zum bereits länger laufenden Programm gibt es nicht.

Im Sommer, in dem die Festspiele nicht stattfinden dürfen und ein einwöchiges Lebenszeichen unter vielen Auflagen planen, springt zumindest die Stadt Bregenz mit dem in die Bresche, was möglich ist. Bei einem Ausstellungsrundgang sind Abstandsregeln schließlich leicht einzuhalten. Man zeigt im Künstlerhaus das, worauf sich bereits viele freuen, nämlich Arbeiten aus der Sammlung, die sonst kaum zu sehen sind. Dabei sind Werke von Rudolf Wacker und Angelika Kauffmann, aber auch zahlreiche Arbeiten jüngeren Datums, und einige Künstlerinnen und Künstler erhielten eigens Aufträge.
“Beim Öffnen von null auf hundert zu gehen, das erachte ich als komische Haltung.“
Andreas Rudigier, Direktor Vorarlberg Museum
Der Historiker Thomas Klagian hat das Stadtarchiv nach einem publikumswirksamen Thema durchforstet und bietet den Besuchern im Martinsturm nach dem harten Corona-Frühling etwas durchaus Erfrischendes. Schon der erste Blick auf einige Bilder, die die Badekultur in den letzten hundert Jahren repräsentieren, lässt schmunzeln. Frei von Humor ist auch die “Unvergessliche Zeit” im Kunsthaus nicht, die, wie berichtet, zum Großteil neue Arbeiten namhafter internationaler Künstler vereint. Nur nebenan, im Museum, gibt es nichts Neues.

Kunsthaus „Unvergessliche Zeit“, neue Ausstellung mit Arbeiten namhafter Künstler bis Ende August
Künstlerhaus „Kunst des Sammelns“ mit Werken aus der Sammlung der Landeshauptstadt und neuen Arbeiten, 12. Juli bis 30. August
Martinsturm „Kann denn Baden Sünde sein“, Geschichte der Badekultur, 12. Juli bis 31. Oktober
Vorarlberg Museum Keine neue Ausstellung, Verlängerung der Sonderausstellung zu Reinhold Luger