Vorarlberger “neutralisieren” Hitler-Haus

Marte.Marte-Architekten planen den Umbau des Hitler-Geburtshauses zur Polizeistation.
Feldkirch, Braunau “Uns hat interessiert, wie man mit einem Gebäude umgeht, das diese Geschichte in sich trägt”, erzählt Stefan Marte im Gespräch mit den VN: “Es ist ein schwieriges Thema. Das Haus abreißen, ist aber auch keine Lösung.” Man dürfe nicht vergessen, dass es den Ort auch weiterhin gibt, wenn hier von Grund auf etwas Neues gebaut wird. Die in Feldkirch ansässigen Marte.Marte-Architekten planen den Umbau des Hauses mit Adresse Salzburger Vorstadt 15 in Braunau. Es handelt sich dabei um das Geburtshaus von Adolf Hitler, das künftig von der Polizei genutzt wird. Innenminister Karl Nehammer hat die Sieger eines EU-weit ausgeschriebenen Architekturwettbewerbes am Dienstag präsentiert.

Das Haus war zuvor Gegenstand internationaler Berichterstattung, weil die frühere Besitzerin gegen die Enteignung bzw. die Höhe der Entschädigung geklagt hatte. Die Republik Österreich wollte nach der Enteignung eine Nutzung der Liegenschaft sicherstellen, durch die jegliche Form nationalsozialistischer Umtriebe unterbunden wird. Der Rechtsstreit war bereits vor einem Jahr ausjudiziert. Die Klägerin ist auch beim Obersten Gerichtshof abgeblitzt.
Bis ins 17. Jahrhundert
Wie das Innenministerium nun mitteilte, werden das Bezirkspolizeikommando und die Polizeiinspektion Braunau dort einziehen. Änderungen an der Fassade aus der Zeit der Nationalsozialisten sollen entfernt werden. Für die Fassade sehen Stefan und Bernhard Marte aber ohnehin ein Konzept vor, das die längere Geschichte des Hauses einbezieht. Es sind, so Stefan Marte, keine Pläne oder Ansichtszeichnungen mehr vorhanden, aber der Grundriss weise zwei Häuser auf, die ins 17. Jahrhundert zurückzudatieren sind. Daran haben sich die Marte.Marte-Architekten beim Plan für die Straßenfrontseite des Hauses orientiert, die kaum noch etwas mit der Fassade zu tun hat, die man jetzt sieht. Es gäbe allgemeine alte Ansichten aus Braunau, die darauf schließen lassen, dass die Häuser mit Giebeln gestaltet waren. Ihr Plan für den rückwärtigen Teil des Hauses mit einem zeitgenössisch interpretierten Baukörper entspreche der Funktion bzw. den Anforderungen für die Nutzung des Gebäudes für das Bezirkspolizeikommando. Mit fünf Millionen Euro sind die Kosten für die Umbauarbeiten veranschlagt.
„Es ist ein schwieriges Thema. Das Haus abreißen, ist aber auch keine Lösung.“
Stefan Marte, Architekt
“Das Haus wird neutralisiert”, beschreibt Stefan Marte den Grundgedanken, der schon beim ersten Hearing klar war. Hier sei nicht Geschichte geschrieben worden, wie es etwa an anderen Orten der Nationalsozialisten der Fall war. Der Zollbeamte Alois Hitler und seine Frau Klara hatten dort mit ihren Kindern für kurze Zeit zur Miete gewohnt, später war es unter anderem ein Gasthaus. Die Nazis hatten dort ein Kulturzentrum errichtet. In der Nachkriegszeit wurde es unter anderem als Schule oder von einem Bankinstitut und für Behindertenwerkstätten genutzt. Seit einiger Zeit befindet sich vor dem Haus ein Gedenk- bzw. Mahnstein mit der Aufschrift “Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen”, der voraussichtlich ins “Haus der Geschichte” in Wien kommen soll.
Salzburger Projekt im Plan
Die Marte.Marte-Architekten hatten in den letzten Jahren mehrere öffentliche Aufträge ausgeführt. In Krems wurde im Vorjahr die neue Niederösterreichische Landesgalerie eröffnet. Vor wenigen Monaten erhielten sie den Auftrag, einen markanten Ort im barocken Zentrum von Salzburg zu verändern. Die Salzburger Festspiele planen ein Besucherzentrum. Der Bau sollte sich trotz der Corona-Krise, die heuer zur Absage des großen Festspielprogramms führte, nicht verzögern. Baubeginn ist demnächst, lässt Stefan Marte wissen.