Musik endlich wieder als Live-Erlebnis

Kultur / 01.06.2020 • 18:00 Uhr
Musik endlich wieder als Live-Erlebnis
Erstes Live-Konzert mit Abstandsregeln und begrenzter Zuschauerzahl von Claudia Christa, Alexander Swete und Klaus Christa wurde ein beglückendes Erlebnis. JU

Klaus Christa sorgte mit einem „Pforte“-Open-Air spontan für die Erlösung von virtueller Überfütterung.

GÖTZIS Der Erste, der sich in Woche elf nach dem Corona-Lockdown im Land einige Freiheiten für öffentliche Kulturveranstaltungen zunutze macht, ist Klaus Christa. Mit einem spontan improvisierten Konzerttermin ruft der „Pforte“-Vordenker das neue Zeitalter des wiedergewonnenen Konzertbetriebes aus und beschert damit allen, die von gut gemeinten TV-Übertragungen und virtuellen Streamingangeboten inzwischen mehr als genug haben, endlich wieder einmal ein musikalisches Live-Erlebnis. Analoge Klänge sind das mit lebendigen Musikern auf richtigen Instrumenten in Echtzeit, dass einem dabei das Herz aufgeht und die kulturellen Entzugserscheinungen mit einem Schlag verschwinden. 

Maximal 100 Zuhörer erlaubt

Dieses Angebot nutzen an diesem frühlingshaft sonnigen Pfingstsonntag spontan zahlreiche Musikfreunde, pilgern in Scharen hinauf zum Bildungshaus St. Arbogast, wo die „Pforte“-Macher als langjährige Freunde vom dortigen Geschäftsführer Daniel Mutschlechner mit offenen Armen aufgenommen werden. Ein Open Air im dortigen Hof, landschaftlich wunderbar mitten in satte Wälder gebettet, ist genau das rechte Ambiente, um wieder einmal richtig durchzuatmen, Natur und Kultur zu tanken, zur Musik zurückzufinden und sich ihr hinzugeben. Dies alles erfolgt natürlich unter Einhaltung aller noch geltenden Vorschriften mit maximal 100 Zuhörern und ebenso vielen gedachten Babyelefanten dazwischen, aber immerhin ohne Maskenpflicht.

Was dazu aufgeboten wird, ist nichts wirklich Spektakuläres und Neues, sondern im Rahmen der „Musikalischen Spaziergänge“ der „Pforte“ seit Jahren Bewährtes – und wird hier doch zum besonderen emotionalen Erlebnis. Ein spielfreudiges Trio aus versierten heimischen Musikern hat für diesen Anlass auch genau das Richtige im Köcher: leichte, lockere, positiv aufmunternde Kammermusik, die einfach reingeht, über die man nicht lange nachzugrübeln braucht, um sie zu verstehen. Klaus Christa an der Bratsche und seine Frau Claudia als Flötistin sind mit dem aus Hörbranz stammenden, an der Wiener Musikuniversität lehrenden Gitarristen Alexander Swete seit langem menschlich und musikalisch eng befreundet – so sehr, dass dieses Programm in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft wird, einfach sich spontan dem Augenblick hingebend, mit Risikobereitschaft und Freude am gemeinsamen Musizieren in bewährter Qualität. Diese aufgeräumte Stimmung überträgt sich in der Begegnung spontan auch auf die Zuhörer.

Hunderte Windräder

Man erfreut sich an den musikalischen Einfällen, wie sie etwa der Böhme Wenzel Matiegka mit einem Satz aus seinem Notturno einbringt. In das gekonnte Spiel der drei Instrumente mischt sich noch ein ungewöhnliches Element, dem Brausen des Heiligen Geistes ähnlich, wie es das Evangelium in der Kirche an diesem Pfingstsonntag beschreibt. Es ist eine von der Kärntner Künstlerin Anna Rubin gefertigte Installation mit Hunderten kleiner Windräder, die sich an der Fassade des Bildungshauses immer wieder geräuschvoll in Bewegung setzen, ohne dabei zu stören. Bei Schuberts traurigem Lied „Der Müller und der Bach“ im schlichten Arrangement für Bratsche und Gitarre, das ihm seine Naturverbundenheit bewahrt, wird dieses Geräusch gar zum rauschenden Bächlein. Astor Piazzolla gibt Alexander Swete Gelegenheit, in „La Muerte del Angel“ seine Gitarre virtuos und melancholisch auf Spanisch zum Singen zu bringen. Am Ende wird dem Jahresregenten Beethoven mit seiner gewichtigen siebensätzigen Serenade op. 8 Tribut gezollt, in der sich speziell in der temperamentvollen Polacca und dem Variationensatz jeder einzeln zu profilieren versteht. Nach einer Stunde ist das Konzertlein auch schon wieder vorübergehuscht wie ein Frühlingshauch und hinterlässt allseits durchaus beglückte Menschen. Fritz Jurmann