Orchesterspiel vor und hinter Plexiglas

Die vielen Blasmusikvereine hat Clovid19 voll erwischt, es fehlt das Geld, aber es fehlen nicht die Ideen.
Bregenz 128 Blasmusikvereine mit rund 6000 Musikantinnen und Musikanten sind in Vorarlberg aktiv. Das heißt, sie wären aktiv, wenn das gemeinsame Musizieren erlaubt wäre. Der Covid19-bedingte Stillstand seit Mitte März habe einige Vereine bereits in finanzielle Bedrängnis gebracht, bestätigt Wolfram Baldauf, Obmann des Vorarlberger Blasmusikverbandes. Am Tag der Blasmusik, dem ersten Sonntag im Mai, hat man mit zeitgleichem Spiel von zwei Stücken an vielen Orten des Landes in Aufstellung auf Distanz eine einzigartige Klangwolke realisiert. Das war eine wunderbare Sache, die Einnahmen, die an diesem Tag in einem normalen Jahr ohne Verbote nach Ausrückungen über Spenden in die Vereinskassen fließen, fehlen nun allerdings.
Musikfeste, die vor allem im Frühsommer stattfinden, wurden reihum abgesagt, womit eine weitere, durchaus wichtige Einnahmequelle der Vereine wegfällt. Ob die Förderung durch die Gemeinden aufrecht bleibt, weiß man in vielen Vereinen nicht. Baldauf hat eine Umfrage im Blasmusikverband durchgeführt und beziffert das Minus aufgrund der Rückmeldungen mittlerweile bereits mit rund 800.000 Euro.
Hoffen auf Geld vom Bund
Auch Wolfram Baldauf saß jüngst am Runden Tisch zu dem Landeshauptmann Markus Wallner Kulturschaffende aller Sparten, die Geschäftsführer verschiedener Einrichtungen und Interessensvertreter lud. Für den Blasmusikexperten war es ein wichtiges Gespräch, bei dem klar wurde, dass auch vom Bund Förderungen kommen müssen. Er hofft, dass vom 700-Millionen-Euro-Topf, der den Vereinen vom Bund versprochen wurde, auch ein paar Millionen nach Vorarlberg fließen und dass neben den vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, die über Vereine organisiert sind, auch für die Musik und die Kultur etwas bleibt.
Mit der Absage aller Veranstaltungen vorläufig bis Ende August sieht die Lage, so Baldauf, äußerst trist aus. Auftritte seien nur in sehr kleinen Gruppen möglich und geprobt werden könne auch nicht. Baldauf: „Man muss die Lage seriös aus dieser Perspektive betrachten. Ohne regelmäßige Proben ist das hohe Niveau der Kapellen nicht zu halten. Konzerte sind somit erst möglich, wenn entsprechende Probenphasen stattfinden können.“ Die Blasmusiker waren freilich nicht untätig, man hat sich mit Infektionsrisiken und Aerosol-Ausstößen beschäftigt, Studien verfolgt und spielt sich bereits mit dem Gedanken, etwa zwischen und neben den Flötisten Plexiglasscheiben aufzustellen. Beim Spielen dieses Instruments verströmt offenbar besonders viel Atemluft.
Zusage von den Festspielen
Dass die Bregenzer Festspiele komplett abgesagt werden mussten, schmerzt auch die Musiker, aber ohne die erwähnten Probenmöglichkeiten und bei derzeitigen Auflagen des Gesundheitsministeriums sei ein Mitwirken bei Sonderprojekten ohnehin ausgeschlossen. Baldauf spricht dabei das Internationale Blasmusikcamp an, das man bereits mehrmals mit Mitgliedern der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Martin Kerschbaum organisiert hat. Die Festspielleitung habe bereits zugesagt, dass man den Blasmusiknachwuchs keinesfalls vergessen wird und dieses Projekt mit dem großen Abschlusskonzert im kommenden Jahr fix ins Programm nimmt. „Das freut uns sehr, wir haben Literatur zusammengestellt, die bestens zu ,Rigoletto‘ auf dem See passt.”