Kulturschaffende kritisieren Regierung: “Sind die Letzten in der Kette”

Kulturschaffende kritisieren, dass die Regierung den Wert von Kunst und Kultur negiert.
feldkirch, Hohenems Sie sei gerade von Wirtschaftstreibenden angesprochen worden, die ihr erläuterten, dass die Lehrlinge auch kulturelle Bildung benötigen, weil das ihre Kreativität und ihre Kompetenzen fördert, erzählt Brigitte Walk, die seit Jahrzehnten in Vorarlberg erfolgreich tätige Theatermacherin, die oft auch mit Schülern und Auszubildenden arbeitet. Kulturschaffende realisieren nicht nur Produktionen und Projekte, sie sind in einem starken Maß auch in der Kunstvermittlung tätig. Was die Politik bislang schon viel zu wenig berücksichtigte, zeige sich nun nach dem Lockdown aufgrund der Covid19-Pandemie besonders deutlich. Es fehle an Strukturen, abseits der Institutionen seien die Budgets für Kunst und Kultur Ermessensausgaben, Studien zur sozialen Lage von Künstlern und Kulturschaffenden seien zwar erstellt worden, doch auch das Vorarlberger Enquete-Papier liste einiges auf, was noch nicht abgearbeitet sei.
„Es gibt nicht einmal eine Ansage, wann es eine konkrete Ansage gibt.“
Brigitte Walk, Theaterleiterin
Brigitte Walk wird gerne konkret. Als alle Veranstaltungen verboten wurden, hatte sie fünf Projekte vorbereitet. An den meisten hätten Jugendliche mitgewirkt, eines stand eine Woche vor der Premiere. Workshops, Lesungen, Unterrichtseinheiten an der Pädagogischen Hochschule und an der Fachhochschule stehen in ihrem Portfolio. Die Einnahmen dafür sind alle weg. Walk: „Es geht vielen von uns so“. Da sie eine Jahressubvention für ihr Walktanztheater bezieht, von der sie nicht leben kann, sondern Mitarbeiter bezahlt, hat sie keinen Anspruch auf die nun zur Überbrückung angebotenen Stipendien.
Nichts Brauchbares
Dass die Unterstützung, die das Land gewährt, nicht der Arbeitssituation vieler Kulturschaffender entspricht, hat, wie die VN berichteten, jüngst auch die Theaterleiterin Barbara Herold in ihrer Funktion als Interessensvertreterin dargelegt. Man verkenne nicht nur die Bedingungen, sondern auch die Tatsache, dass freischaffende Künstler und Kulturschaffende das System mittragen, nach dem die großen Betriebe funktionieren. Dem Wert entsprechend, gehören Kunst und Kultur finanziert und nicht gefördert, führt Walk als ihr Diktum an. Vorrang habe nun, zu erfahren, wann man seinen Beruf wieder ausüben darf. Walk: „Wenn man in Flugzeugen und Zügen sitzen kann, uns aber mehr als zwei Drittel der Zuschauer wegnehmen will, dann fühlen wir uns gepflanzt.“ Von der Bundesregierung sei immer noch nichts Brauchbares gekommen. Theatermacher Andreas Kosek legt nach: „Die Kulturschaffenden wurden ganz nach hinten gereiht, wir sind die Letzten in der Kette.“
„Ich warte auf Informationen und hoffe, dass sie brauchbarer sind als die letzten.“
Gerd Nachbauer, Geschäftsführer der Schubertiade
Kommunikation fehlt völlig
Während das Vorarlberger Landestheater, wie Intendantin Stephanie Gräve jüngst ausführte, den Spielplan für die kommende Saison vorläufig so konzipiert hat, dass man im Sommer mit den Proben beginnen kann, obwohl man noch nicht weiß, ob man nicht alles über den Haufen werfen muss, gibt es bei den Bregenzer Festspielen einen Plan B, den Präsident Hans-Peter Metzler den VN offenbarte (Ausgabe vom 2. Mai): Wenn die Auflagen so aussehen, dass keine Aufführungen im herkömmlichen Sinn möglich sind, müsse alles auf 2021 verschoben werden. Große und kleine Unternehmen empfinden sich in Vorarlberg nicht als Konkurrenten an den Fördertöpten, man hat die Sinnstiftung im Auge. Walk: „Wenn ich Festspielleiterin wäre, würde ich bei diesem Verhalten der Regierung die Wände hochgehen.“ Schubertiade-Leiter Gerd Nachbauer ist auch einer der ganz Großen und kein Förderungsnehmer. 15.000 Tickets für den verbotenen Frühjahrsteil muss er, wie berichtet, bereits zurückerstatten, ob er Ende August die Konzerte renommierter Künstler realisieren kann, weiß er noch nicht. Trotz Anfragen beim Ministerium habe er keine Auskunft bekommen. Jegliche Kommunikationsbereitschaft fehle.