Mehrere Uraufführungen am Landestheater geplant

Im Mittelpunkt der neuen Spielzeit steht die Frage, wie eine Gesellschaft nach dem Shutdown aussieht.
Bregenz „Ich lasse mich von relativ wenig abbringen, wenn wir es nur schaffen, dieses Theater wieder zum Leben zu bringen“, erklärte Stephanie Gräve bei der Spielplanpräsentation am Freitagvormittag, die unter besonderen Umständen stattfinden musste. Medienvertreter betraten mit Schutzmasken den Raum am Bregenzer Kornmarkt, die Leiterin des Theaters Vorarlberg referierte hinter dem Plexiglasschild. Ein Probenbetrieb wäre bei solchen Auflagen nicht vorstellbar. In einer Woche sollen die entscheidenden Erlässe der Regierung bekannt sein. Aus optimistischer Perspektive beginnt die Spielzeit des seit Mitte März geschlossenen Unternehmens am 4. September mit einem Eröffnungsfest des Bürgerinnenchores unter dem Titel „Bella Ciao“, der für die Lieder antifaschistischer, kommunistischer und sozialdemokratischen Bewegungen steht. Schon zuvor soll noch ein paarmal jenes Stück über die Malerin Stephanie Hollenstein gezeigt werden, das Anfang März gerade noch die Premiere erleben durfte.
Größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich
Die Wahl der neuen Stücke entspreche der Frage, wie eine Gesellschaft nach dem Shutdown aussieht und wer abgehängt wurde. Dass sie die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich beschäftigt, hatte Gräve bereits in einem vor zwei Wochen veröffentlichten Gespräch mit den VN erläutert. Die Stücke dazu heißen „Woyzeck“ (nach Büchner in einer Fassung von Tom Waits, Robert Wilson und Kathleen Brennan), „Geld, Parzival“ von Joel Laszlo, eine Uraufführung, „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner, „Alle meine Söhne“ von Arthur Miller und „King Size“ von Christoph Marthaler. Bei Letzterem handelt es sich um ein Gastspiel einer höchst erfolgreichen, vor mehreren Jahren entstandenen Produktion aus Basel, die die typischen Marthaler-Merkmale aufweist.
Maximilian Lang und Robert Schneider
Dass sich der Bregenzer Autor Maximilian Lang mit dem Schriftsteller und Sozialreformer Franz Michael Felder beschäftigt, wurde von den VN bereits bekanntgegeben. Das dabei entstehende Stück trägt den Titel „Sprich nur ein Wort”. Von Robert Schneider wird der Erfolgsroman „Schlafes Bruder“ als Schauspiel mit Tanz für die Bühne adaptiert. Mit „Die Vögel“ von Aristophanes greift man auf einen antiken Stoff zurück, der das aktuelle Motto behandelt. „Else (ohne Fräulein)“ von Thomas Arzt, im Vorjahr in einer Fassung aus Linz vom Bregenzer Kosmos gezeigt, wird in der Box neu produziert. Dort steht auch Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ als Zweipersonenstück auf dem Programm.
“Jephtha” von Händel
Mit dem gemeinsam mit dem Symphonieorchester Vorarlberg zu realisierenden Musiktheater widmet man sich im kommenden Jahr dem Barock bzw. einem Oratorium. “Jephtha” von Georg Friedrich Händel wird von Heinz Ferlesch musikalisch geleitet und von Stefan Otteni inszeniert..
Ergänzt wird der Spielplan von einigen Wiederaufnahmen.
Einnahmenentgänge in der Höhe von 600.000 Euro
Das Vorarlberger Landestheater arbeitet mit einem Gesamtbudget in der Höhe von 5 Millionen Euro, vom Land wird es mit 4,1 Millionen Euro unterstützt. Der Einnahmenentgang durch die wegen der Covid19-Pandemie verordneten Schließung wird von Werner Döring, Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, mit rund 600.000 Euro beziffert. Die Angestellten seien auf Kurzarbeit, ein Ensemblemitglied verlässt das Haus, die Stelle wird vorerst nicht nachbesetzt. Für ausgefallene Produktionen gab es Ausfallszahlungen. “Man ist als Intendantin zerrissen zwischen dem Wunsch, die Künstlerinnen und Künstler voll zu bezahlen, aber ich habe auch eine Verantwortung bezüglich der öffentlichen Gelder”, meinte die Intendantin, die sich für die Initiative “art but fair”, die sich für gerechte Bezahlung einsetzt, engagiert.
