Wie die Wurst auf den grünen Rasen kommt

Kunst-Projekt von Marbod Fritsch für ein Bildungszentrum in Hohenems mit Verweis auf Franz Michael Felder.
HOHENEMS Das Gras ist kräftig gewachsen und leuchtend grün. Auch im 16 mal 16 Meter großen Innenhof des Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrums (BSBZ) in Hohenems herrschen beste Bedingungen auf dem Rasen. Das grüne Herz der Anlage wartet auf den Einsatz des Rasenroboters. Allerdings wird dieser nicht nur mähen, sondern – nach einem Konzept des Vorarlberger Künstlers Marbod Fritsch (geb. 1963 in Bregenz) speziell programmiert – Worte und kurze Texte ins Grün schreiben.
Verweis auf Franz Michael Felder
Mit seinem Projekt „Aus deinem Leben“ hat Marbod Fritsch 2017 den vom Land Vorarlberg ausgeschriebenen Kunst- und Bau-Wettbewerb für den neuen Zubau des BSBZ gewonnen. Damit realisiert der Bregenzer nach 2004 bereits die zweite Arbeit für das Hohenemser Institut. Der Titel der gemeinsam mit dem Landschaftsdesigner Tim Friday entwickelten Arbeit verweist zwar deutlich auf die Biografie des Bregenzerwälder Schriftstellers und Sozialreformers Franz Michael Felder, der kleine Twist von „mein“ auf „dein“ macht aber deutlich, dass es sich nicht um die Auseinandersetzung mit einem historischen Thema handelt. Im Fokus steht vielmehr die aktuelle Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler. Wie leben, was denken, hoffen und träumen junge Menschen, die zukünftig in landwirtschaftlichen Berufen tätig sind? Diese Frage hat Marbod Fritsch direkt an die Jugendlichen im Bildungszentrum weitergegeben und sie eingeladen, am Projekt aktiv zu partizipieren. In einem Workshop sind 15 Schülerinnen und Schüler zu Wort gekommen und haben kurze Textbotschaften, Schlagworte und Emoticons erarbeitet.
Ein grünes Brett
„Wurst“: Ganz lapidar und auch ein bisschen rotzig-frech – mit allem, was der Begriff beinhaltet – hat es ein Vierzehnjähriger auf den Punkt gebracht. Geht es um die „Wurst“ oder ist ihm alles wurscht? So wird „Wurst“ das erste Statement sein, das nach der Corona-bedingten Verzögerung voraussichtlich ab Anfang Mai, sobald die spezialisierten Techniker aus Tirol eingetroffen sind, umgesetzt wird. Im Intervall von vier bis fünf Wochen, orientiert am natürlichen Wachstum des Grases, entstehen jeweils neue Texte auf dem Rasen. Für Marbod Fritsch ist der dergestalt bespielte Innenhof als begehbare Projektionsfläche „eine Art Blackboard“, ein überdimensionales schwarzes (oder vielmehr grünes) Brett und ein temporärer Sammlungsort für die Gedanken der Jugendlichen, die mit dem und im Kunstwerk in der Schule sichtbar werden. Gleichzeitig konfrontiert die Arbeit auch mit den Schattenseiten der Berufswelt der angehenden Landwirtschaftler, denn auch in ihrem Metier geht es kaum mehr ohne innovative technische Hilfsmittel und Maschinen, wie das Gras unüberhörbar flüstert, während es wächst.
Arbeit in der Johanniterkirche
In der Feldkircher Johanniterkirche wurde gerade die Installation „Remain in Light“ von Marbod Fritsch wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr als große Bodenarbeit mit einem Ring aus Hunderten von Kerzen realisiert, ist die Arbeit ab dieser Woche wieder zu sehen – als ein absolut positives Zeichen in dieser Zeit! Ariane Grabher