Ein Künstler über das Einssein mit einem kleinen Stück Welt

Kultur / 23.04.2020 • 12:30 Uhr
Ein Künstler über das Einssein mit einem kleinen Stück Welt
Alfred Graf (geb. 1958) stammt aus Feldkirch, lebt und arbeitet in Wien. AG

Das Arthouse zeigt noch neue Arbeiten von Alfred Graf.

BREGENZ Während der offiziellen Ausstellungsdauer konnte man die Arbeiten von Alfred Graf in der Galerie Arthouse lediglich ein paar Tage und dann allenfalls noch durchs Schaufenster in der Römerstraße sehen. Nun ist ein Teil der eigens dafür geschaffenen neuen Werke Grafs in veränderter Konstellation und im Verbund mit Arbeiten anderer Künstler noch ausgestellt.

Um das große Thema Erinnerung, aber auch um die Wahrnehmung des Augenblicks, das hinter-die-Dinge-blicken und eine gewisse Durchlässigkeit kreist die Ausstellung mit Tafelbildern und Objekten des in Wien lebenden und arbeitenden Vorarlberger Künstlers. Es liegt in der Natur der Sache, dass Erinnerungen auch täuschen können. Nur eines können Erinnerungen eigentlich nie sein, nämlich falsch. Von dieser Prämisse geht Alfred Graf in seinem jüngsten Schaffen aus, das Zeit und Ort über das gesammelte und verarbeitete Material in sich einschließt. Erinnerungen verfestigen sich für Alfred Graf seit Beginn seines künstlerischen Schaffens in Sand, Stein, Sediment, Erde, Holz und Wachs. Diese Stoffe bilden neben Temperafarben und Baumwolle oder Leinwand die Basis seiner Arbeiten. Sie sind Mitbringsel von den Reisen und Aufenthalten des Künstlers aus aller Herren Länder: von der Nordsee über die heimatliche Ill über den grünen Inn und die blaue Donau bis hin nach Malta, zum Bosporus und zuletzt bis zum Indischen Ozean und in die Landschaft Sri Lankas.

Neue, leichte Farbigkeit

Gerade in diesen jüngst fertig gewordenen Werken, die Farben und Erde des tropischen Inselstaats einfangen, meint man, die Reflexionen des Lichts auf dem Wasser, die Wellenkräuselungen und die Fische und Korallen unter der Wasseroberfläche zu erkennen. Gelb, Orange, Blau Violett, Grün und Rosa – die neuen Töne und die damit einhergehende Leichtigkeit stehen den Arbeiten von Alfred Graf gut an. Im Verschmelzen mit der Landschaft, im Wahrnehmen des Moments, das Erinnerungen auch körperlicher Art auszulösen imstande ist und gleichzeitig selbst als Erinnerung bleibt, spürt der Künstler der Frage nach, worin sich solche Reminiszenzen manifestieren. Für ihn, der sich ganz klar als Landschaftsmaler sieht und betitelt, fungiert eindeutig die Landschaft mit ihren Farben, Formationen und Strukturen, die das materielle Gedächtnis der Welt bilden, als Katalysator. Seine Werke bezeichnet der Künstler als „Erinnerungsstücke an den performativen Akt des Einsseins mit einem kleinen Stück Welt“. Ariane Grabher

Die Arbeiten von Alfred Graf sind bis auf Weiteres in der Galerie Arthouse, Römerstraße 11, Bregenz, zu sehen, geöffnet Mo bis Fr, 14 bis 18 Uhr.