Schubertiade-Chef fordert von Regierung Professionalität

Schubertiade-Leiter Gerd Nachbauer hat bis zu 30.000 Tickets zu refundieren und wartet auf Infos.
Hohenems, Schwarzenberg Rund 15.000 Tickets muss Gerd Nachbauer, Geschäftsführer der Schubertiade, bereits zurückerstatten, denn da bis Ende Juni wegen der Covid19-Pandemie keine Veranstaltungen stattfinden dürfen, ist, wie berichtet, der erste Teil des weltweit bekannten Festivals, in dessen Rahmen Konzerte und Liederabende in Schwarzenberg und Hohenems geplant waren, abgesagt. Das ist zwar für das seit 45 Jahren existierende Unternehmen selbst, für die Künstler und die Tourismusbranche tragisch, aber ein Fakt, auf dessen Basis nun gehandelt werden kann. Was den zweiten Teil im August betrifft, für den ebenso viele Karten bzw. sogar noch etwas mehr aufgelegt und weitgehend gebucht wurden, so hängt Nachbauer in der Warteschleife, denn abgesehen von den Auflagen, die Vizekanzler Werner Kogler und Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek am vergangenen Freitag verkündeten, gibt es auch für die Betroffenen selbst keine brauchbaren Angaben: “In konkreter schriftlicher Form existieren diese Verordnungen nicht.” Er habe beim Ministerium wie bei der Kulturabteilung der Vorarlberger Landesregierung gebeten, ihm die Verordnung schriftlich zukommen zu lassen und wartet auf die Antwort, erklärt er im Gespräch mit den VN.
„Das Ministerium agiert unprofessionell. Ich bin gespannt, wie lange ich auf Schriftliches warte.“
Gerd Nachbauer, Schubertiade
Keine Lockerungen
Was als Lockerungen im Bereich der Kultur angekündigt worden sei, habe ihn “zunehmend fassungslos” zuhören lassen. Nachbauer ist mit Auflagen konfrontiert, die für Konzertveranstalter realitätsfern sind, aber nicht einmal dazu, nämlich zu etwaig einzuhaltenden Abständen zwischen den Besuchern und Künstlern, gäbe es stichhaltige Angaben. Die Lockerungen gelten, so der erfahrene Kulturunternehmer, in dem Fall eher für Museen, mit der Realität von Musikveranstaltern hätten sich die Kulturpolitiker wohl erst gar nicht befasst. Dass Kogler beim Begriff Festival zuerst das Donauinselfest einfiel, hat auch international, wie mittlerweile zu bemerken, reichlich irritiert, definiert sich Österreich doch als Kulturnation mit renommierten Bühnen, ebensolchen musikalischen Aufführungsstätten und mehreren traditionsreichen Festspielen. Über Salzburg und Bregenz wird, wie berichtet, bis Mitte Mai entschieden.
Anwälte sind bereits beschäftigt
Gerd Nachbauer erwartet sich von der Kulturpolitik professionelles Agieren. Dazu zählt er auch Kenntnisse der Politiker bzw. deren Berater über Vertragsbedingungen im Veranstaltungsbereich sowie eine bessere Informationspolitik. Was passiert, sei eine “Zumutung”. Genaugenommen könnte ein Künstler auf seinen Auftritt beharren, denn er könnte auch vor ein paar Leuten singen, die verteilt im Raum sitzen. In Deutschland gäbe es bereits Rechtsanwälte, die sich mit den aktuellen Absagen an Künstler und deren Agenten beschäftigen und nebenbei auch überprüfen, ob die Covid19-Pandemie mit höherer Gewalt gleichzusetzen ist. Es geht dabei auch um viel Geld.
Nachbauer kann sich dabei nicht auf das Polster stützen, das ein von öffentlicher Hand subventioniertes Unternehmen hat, er hat die Schubertiade privat etabliert. Vorarlberg hat neben dem Ruf, den das hochkarätige Musikfestival einbringt, viel davon. Laut Bregenzerwald Tourismus sind aufgrund der Schubertiade allein in der Region von Schwarzenberg bis Schoppernau jährlich 16.000 Nächtigungen zu registrieren.