Vorarlberger Galeristen sind nicht einfach Dealer

Bekannte Vorarlberger Galeristen zu Online-Messen, Wiedereröffnung und Verunsicherung.
Bregenz, Dornbirn Der internationale Kunstmarkt ist zum Teil ins Netz ausgewichen, vor allem mit Blockbustern der Gegenwartskunst werden dort Umsätze gemacht. „Das ist nichts für mich“, sagt Lisi Hämmerle, seit Jahrzehnten engagierte Galeristin mit einem Raum in der Bregenzer Innenstadt, „ich bin nicht einfach Dealer.” Im Klartext heißt das, dass gerade Galerien, die Arbeiten von guten Künstlern aus ihrer Region den Sammlern und Interessenten anbieten, auf persönliche Kontakte setzen und engagiert Kunstvermittlung betreiben. Mitunter steckt ein enormer Aufwand dahinter, der erst dann von Erfolg gekrönt ist, wenn Werke erworben werden. In den letzten Wochen fielen diese Umsätze in den Vorarlberger Galerien komplett weg. Lisi Hämmerle hatte gerade noch die Ausstellung mit den zum Teil politisch konnotierten, ironischen Arbeiten des Österreichers Werner Reiterer eröffnen können, hat dabei penibel beobachtet, dass die Besucherzahl den Anti-Corona-Maßnahmen entspricht und musste am nächsten Tag die Tür wieder dicht machen.

Lisi Hämmerle öffnet vorsichtig
Bis zum Mittwoch nach Ostern blieb das so, aber auch jetzt hat sie darauf zu achten, dass die Besucher Masken tragen und der Abstand zueinander stimmt. Die geplante Ausstellung mit Arbeiten der Vorarlberger Künstlerin Bianca Tschaikner in Kooperation mit der Caritas muss sie ad acta legen, weil in deren Rahmen Workshops stattgefunden hätten, die nicht sein dürfen. Ob sie im Sommer Werke der international erfolgreichen Vorarlbergerin Claudia Larcher zeigen darf, steht noch in den Sternen. Ebenso unklar ist das Zustandekommen der Kunstmesse Parallel in Wien, bei der sie ihren Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten wollte. Angesichts von Kurzarbeit und drohenden Firmenpleiten hätten die Sammler wohl auch anderes im Kopf als einen Kunstankauf.
„Wir sind umgezogen, können aber keine Eröffnung feiern und kämpfen ums Überleben.“
Belinda Boch-Prantl, Galeristin
Sechzig ist zu, c.art ist umgezogen
Davon geht auch Leonie Hirn aus. Die Galerie Sechzig in Feldkirch bleibt vorerst zu. Die Ausstellung mit Arbeiten des Slowenen Uros Weinberger war gerade erst im Aufbau, als die Regierung den Shutdown anordnete. „Das wäre interessant gewesen, Weinberger beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Themen, etwa mit dem Tragen eines Mundschutzes und mit Drohnen, die gerade jetzt in der Coronakrise aktuell sind.“ Die Zukunft der Galerie, die für Entdeckungen bekannt ist, könne sie nun nicht konkret planen, erklärt die junge Galeristin, denn sie ist im Besonderen auf die Reisemöglichkeiten ihrer Künstlerinnen und Künstler angewiesen.
„Das Jahresprogramm verschiebt sich, aber wirklich planen lässt sich leider gar nichts.“
Lisi Hämmerle, Galeristin
Ein Fest sollte der Umzug der Galerie c.art von der Marktstraße in einen Ziegelbau in der Doktor-Anton-Schneider-Straße in Dornbirn sein, die Wiedereröffnung verläuft nun im Stillen. Belinda Boch-Prantl und Hannes Boch sind mit dem Metier seit Jahrzehnten vertraut und bilden sozusagen eine Säule der Vorarlberger Galerienszene. Nach der Schließung beginnt für sie aber ein grundsätzlicher Kampf, denn abgesehen von den momentanen Einnahmeneinbußen sei die Abwicklung der notwendigen Kunsttransporte nun extrem erschwert.
Hutz hat das Programm geändert
Eine Ausstellung mit Arbeiten des Vorarlbergers Franz Türtscher wäre interessant gewesen, aber daraus wird erst einmal nichts. So stellt sich die Lage von Maximilian Hutz in Hard dar. Er hat die Türen am Dienstag geöffnet und zeigt Arbeiten aus dem eigenen Bestand. Darunter sind immerhin Werke der Vorarlberger Gottfried Bechtold und Barbara Anna Husar sowie von Aljoscha und Ivan De Menis.
Arthouse und Hofsteig sind offen
Die junge Galerie am Hofsteig in Wolfurt hat nun wieder mit einem gemischten Programm geöffnet. Herbert Alber zeigt in seinen Räumen in Bregenz Arbeiten des Vorarlbergers Alfred Graf, die seit der Vernissage unter Verschluss bleiben mussten. Die negativen Folgen der längst nicht überstandenen Krise werden noch jahrelang bemerkbar sein, umschreibt der erfahrene Galerist die Situation.