Wie David Helbock trotz der Verbote auftritt

Das Konzert des Vorarlberger Jazzpianisten findet wie geplant am Spielboden statt, als Livestream ohne Publikum.
Dornbirn Publikum ist nicht zugelassen und die Abstandsauflagen zu anderen Personen hält David Helbock (36) strikt ein, nur eines wollte er nicht, nämlich sein für kommenden Mittwoch am Spielboden Dornbirn geplantes Konzert wegen der Covid-19-Pandemie komplett absagen. Ganz im Gegenteil: Es findet statt. Der international gefeierte Vorarlberger Jazzpianist agiert auf der Bühne, die stimmig ausgeleuchtet wird und ein Techniker beobachtet in entsprechender Distanz, ob mit der Lautstärke alles passt. Die Zuhörer sitzen zu Hause bzw. irgendwo dort, wo Gerätschaften vorhanden sind, mit denen sie das Konzert – brav isoliert – per Livestream verfolgen können. Das Programm besteht, wie ursprünglich angekündigt, hauptsächlich aus Nummern der im vergangenen Herbst erschienenen CD „Playing John Williams“, die auf fantastische Art beweisen, wie kreativ Helbock das Ausgangsmaterial, das heißt Melodien des preisgekrönten Filmkomponisten, bearbeitet. Mitunter reicht das so weit, dass Williams nur noch fern zu erahnen ist. Dazu gibt es an diesem Abend neue Eigenkompositionen. Das Konzert beginnt wie geplant am Mittwoch, 8. April, 20.30 Uhr: https://dringeblieben.de/videos/david-helbock-solopiano-live-from-spielboden-dornbirn
Spendenmöglichkeit
Bei den erheblichen Folgen des kulturellen Shutdown fragt man sich, wie es die Künstler, in diesem Fall die Musiker, überhaupt noch schaffen, solche Aktionen zu realisieren. Aufgrund der Einnahmenausfälle bei abgesagten Konzerten bangen viele um die eigene Existenz, ermöglichen dem Publikum aber dennoch die Teilhabe an Musik und Kunst. Der Wiener Veranstalter Porgy and Bess, bei dem Helbock in wenigen Wochen auftritt, bietet den Streaming-Dienst beispielsweise gratis an, eröffnet dem Publikum aber Spendenmöglichkeiten. Jeder kann dabei die Summe selbst festlegen, die er einzahlt. Für das Konzert am Dornbirner Spielboden wird das Modell übernommen.
Rund 20 Konzerte abgesagt
David Helbock befand sich in Südafrika, als die Reisebeschränkungen bzw. -verbote vor ein paar Wochen in Kraft traten. Er hat gerade noch eine Flugbuchung nach Zürich geschafft. Der ursprünglich geplante Rückflug war dann bereits abgesagt. Die vorgesehene Tourneeroute war damit beendet. Etwa 20 Auftritte wurden storniert. Wie es für ihn im Sommer aussieht, ist noch offen, es haben noch nicht alle Veranstalter die Konzerte abgesagt. Für den Herbst wären Auftritte in Russland, Deutschland, Belgien und Holland geplant. Für eine neue CD-Produktion ist schon alles vorbereitet. Das Projekt werde sich aber höchstwahrscheinlich verzögern. Die Plattenfirmen berichten ihm, dass die Verkäufe extrem eingebrochen sind, was alle nervös macht. Auch diese Branche muss also mit hohen Verlusten rechnen.
Das Konzert im Spielboden sieht er vom Künstlerischen her als eine Art Lernprozess: „Ich weiß noch gar nicht, wie sich das anfühlt auf der Bühne in einem Saal ohne Publikum.“