Als die mächtige Schattenburg noch ein Gefängnis war

Feldkirch Der Katzenturm ist gut erkennbar, ebenso wie die Schattenburg, der Wasserturm, die Brücke in der Felsenau und die ehemalige Stadtmauer. Man muss kein Feldkircher sein, um das abgebildete Werk als Ansicht jener Stadt zu identifizieren, die jüngst mit zahlreichen Veranstaltungen ihr 800-Jahr-Jubiläum feierte. Interessant sind die Entstehungsgeschichte selbst sowie die Details dieser Ansicht, erklärt der Kunsthistoriker Tobias G. Natter.
Auch dieses Werk zählt zum Bestand einer Vorarlberger Privatsammlung und weist in eine Zeit, in der in Vorarlberg selbst kaum derlei Bilder geschaffen wurden. Die Ansicht von Feldkirch taucht neben einer von Hohenems und einer von Bregenz (von Lindau aus gesehen) in einer Mappe auf, die mit „Ansichten aus St. Gallen und Umgebung“ betitelt ist und um 1796 in der Schweiz hergestellt wurde. Interesse an derlei Arbeiten bestand nicht im Land selbst, mit solchen Mappen richtete man sich an Kunden im Ausland, die an Landschaften, Orten und Städten in der Alpenregion Gefallen fanden, sie bereist hatten oder bereisen wollten. Dieser Rückschluss ergibt sich auch aus der Tatsache, dass dieses Blatt auf Französisch beschriftet ist. Geschaffen wurden die Ansichten vom Lindauer Maler und Zeichner Johann Conrad Mayr. Die Umrissradierung ist altkoloriert. Das heißt, dass die Kolorierung, wie das bei weniger wertvollen Blättern der Fall ist, nicht im Nachhinein erfolgte, sondern gleich im Zuge der Herstellung.
In Vorarlberg wurden derlei Stadt- oder Landschaftsansichten erst viel später geschaffen, sie tauchen etwa in der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts auf, als sich der Tourismus entwickelte.
Stadtmauer und Schattenburg
Zur Zeit der Entstehung dieses Bildes war die Brücke im Vordergrund eine wichtige Verbindung, die Schattenburg diente als Gefängnis und der Großteil der hier so schön gezeichneten Stadtmauer wurde wenige Jahrzehnte später abgerissen. VN-cd