Als ein Bregenzerwälder Baumeister geadelt wurde

Kultur / 23.03.2020 • 08:15 Uhr
Als ein Bregenzerwälder Baumeister geadelt wurde
Das Wappentier von Franz Beer von Bleichten ist ein Bär. VORARLBERGER PRIVATSAMMLUNG

Aus Franz Beer wurde im Jänner 1722 mit 22-seitigem Adelsbrief ein “von Bleichten”.

Au, Bezau Das Wappentier ist, wie könnte es anders sein, ein Bär, mit der einen Tatze hält dieser einen Zirkel, mit der anderen eine rote Architekturzeichnung. Das Halsband ziert die Initialen von Franz Beer (1660-1726). Bei diesem handelt es sich um einen wichtigen Vertreter der Vorarlberger Barockbaumeister. Er ist ein Sohn von Maria, geb. Metzler, und Michael Beer (1605-1666), Baumeister und Begründer der Auer Zunft.

 Pergamenteinband des Adelsbriefes mit kaiserlichem Doppeladler.  <span class="copyright">Vorarlberger Privatsammlung</span>
Pergamenteinband des Adelsbriefes mit kaiserlichem Doppeladler. Vorarlberger Privatsammlung

Seine Eltern hat Franz Beer früh verloren. Der Bub absolvierte eine Baumeisterlehre und war dann unter anderem an der Errichtung der Abtei in Salem beteiligt. Zu seinen Hauptwerken zählen die Klosterkirche in Irsee und vor allem das Stift und die Kirche in Weingarten. Der Schwiegersohn von Franz Beer, Peter Thumb, zählt ebenfalls zu den bekanntesten Barockbaumeistern aus dem Bregenzerwald. Auf der Liste von Thumbs Bauten stehen unter anderem die Wallfahrtskirche in Birnau und die Stiftsbibliothek von St. Gallen.

Kaiser Karl VI.

Franz Beer genoss ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Seine Werkliste gilt als zahlenmäßig umfangreichste im Vergleich zu den anderen Barockbaumeistern. Die Nobilitierung erfolgte durch Kaiser Karl VI., den Vater der später regierenden Erzherzogin Maria Theresia. Der Text der Urkunde beginnt entsprechend pathetisch in Anerkennung von “Tugend, Vernunft, Geschicklichkeit und anderer rühmlicher Eigenschaften” wurde Beer vom “Kaiser von Gottes Gnaden und zu allen Zeiten Mehrer des Reichs” gewährt, den Titel “von Bleichten” zu tragen. Der Begriff leitet sich von der Alpe Bleichten im Mellental ab, die Franz Beer erworben hatte. Mitunter taucht auch die Schreibweise “von Blaichten” auf. Die Urkunde selbst umfasst 22 gefaltete und mit einer Kordel befestigte Seiten und wurde von Kaiser Karl VI. im Jänner 1722 unterschrieben. Sie befindet sich, wie der Kunsthistoriker Tobias G. Natter bestätigt, in einer Vorarlberger Privatsammlung. Der Pergamenteinband trägt den kaiserlichen Doppeladler. Das Kernstück ist eine ganzseitige Wappendarstellung mit dem erwähnten Bären.

Franz Beer, Edler von Bleichten, wurde in Bezau beerdigt. VN-cd