Was hinter einer Zahl in Bregenz steckt

Kultur / 18.03.2020 • 23:00 Uhr
Was hinter einer Zahl in Bregenz steckt
Schriftinstallation Rathausstraße 27 in Bregenz: Heinz Gappmayrs titelloses Werk aus dem Jahre 1997 präsentiert ein sehr kleines Längenmaß. R. SAGMEISTER

VN-Bildbetrachtung führt in den öffentlichen Raum zu Heinz Gappmayr.

Bregenz, Innsbruck Während die Museen aus bekanntem Grund bzw. zum Schutz von uns allen geschlossen bleiben, empfiehlt es sich, überhaupt und im Rahmen der VN-Bildbetrachtungen auch den Kunstwerken im öffentlichen Raum besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Bei der weithin sichtbaren, etwa 12 Meter breiten Schriftinstallation auf einer Hausfassade in der Rathausstraße in Bregenz tut sich für viele die Frage auf, was die Zahl denn nun bedeutet.

Erstens handelt es sich um ein Werk des Tiroler Künstlers Heinz Gappmayr (1925-2010) und zweitens um eine Installation, die im Rahmen der Initiative Kunst in der Stadt im Jahr 1997 angefertigt wurde. Damals wurde mit dem Kunsthaus Bregenz erstmals ein großer Raum für zeitgenössische Kunst in Vorarlberg eröffnet, und das wurde auch mit einer Ausstellung an öffentlichen Plätzen gefeiert, an der sich mehrere Institutionen, darunter auch das Kulturamt Bregenz, beteiligten. Gappmayr gehört zu den Pionieren einer künstlerischen Richtung, die sich bildnerisch mit dem Phänomen Sprache beschäftigt. Das geschriebene Wort ist für den Künstler nicht allein das Trägermedium von Begriffen und Bedeutungen, sondern zugleich auch eine Versammlung eigenständiger Zeichen, die durch ihre Anordnung auf der Bildfläche zu unterschiedlicher Lesbarkeit geführt werden können. In seinen Textbildern thematisiert Heinz Gappmayr zugleich auch die Frage der Differenz zwischen Gedachtem und Sichtbarem. Es geht somit um die Voraussetzungen, unter denen Wirklichkeit überhaupt erfahrbar wird.

Große Schrift, winzige Maßeinheit

Das gilt auch für die Zahl an der Hausfassade, die mittlerweile zu einer Station bei Stadtführungen durch Bregenz geworden ist. Sie wird in einer großen Schrift gezeigt, man sieht die Zahlen Schwarz auf Weiß, sie verweisen aber auf ein Maß, das kaum vorstellbar ist. Sein Werk soll laut Gappmayr „die Differenz zwischen Gedachtem und Sichtbarem“ visualisieren. Andererseits veranschaulicht die Arbeit aber auch, dass es unvorstellbar kleine Dinge gibt, die eine große Wirkung haben. Der Bezug zu unserem aktuellen Alltag kann leicht hergestellt werden, meint der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister, der seit dem Bestehen des Kunsthaus Bregenz dort tätig ist. Als Kunstvermittler vertritt er die Meinung, dass viel mehr Arbeiten in den öffentlichen Raum gehören, um den Menschen Anregungen zu bieten. VN-cd