Grüße und Küsse in einem besonderen Brief von 1900

Kultur / 14.03.2020 • 09:30 Uhr
Grüße und Küsse in einem besonderen Brief von 1900
Brief von Julius Rhomberg an seine Frau Eugenie. VORARLBERGER PRIVATSAMMLUNG

Ein Brief, der vieles aussagt: Julius Rhomberg richtete ihn am 17. September 1900 an seine Gattin.

Wien, Bregenz „Gestern Sonntag machte ich mit Herrn Flöge einen Ausflug nach Klosterneuburg, wo wir Maler Böhm besuchten. Wir waren bei ihm und sprachen über Kunst und anderes“, berichtet Julius Rhomberg (1869-1932) seiner Gattin Eugenie, geb. Bertolini, am 17. September 1900 aus Wien. Die Reise des Vorarlberger Textilunternehmers dürfte geschäftliche Gründe gehabt haben. Klar ist, dass der Vorarlberger in Wien bei Gustav Klimt zu Besuch war: „Samstag Abend war ich bei Flöges eingeladen zum Nachtessen, wozu auch Maler Klimt, den ich vorher in seinem Atelier besuchte, kam; dass ich mich gut unterhielt, kannst Du Dir denken. Es sind alle sehr liebe Menschen“, berichtet er seiner Frau.

Neue Anregung in Wien

Der handschriftliche Brief ist mittlerweile in einer Vorarlberger Privatsammlung. Klimt-Experte und Kunsthistoriker Tobias Natter erklärt dazu, dass mit Herrn Flöge, Hermann Flöge, der Bruder der Designerin Emilie Flöge gemeint ist. Er war Prokurist der Firma Herrburger & Rhomberg. Beim Maler Adolf Böhm handelt es sich um einen Mitbegründer der Wiener Secession. „Es gibt den ganzen Tag viel zu beraten und zu betrachten und manche neue Anregung soll wieder neues Leben bringen. Im Ganzen sind jetzt schwere Zeiten, die die volle Aufmerksamkeit erfordern, an meinem Willen hierzu soll es nicht fehlen“, versichert Julius Rhomberg seiner Eugenie und schließt mit „sei Du herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Julius“.

Gustav Klimt hatte für das Vorarlberger Paar Eugenie (geb. Bertolini) und Julius Rhomberg eine Glückwunschkarte geschaffen.  <span class="copyright">natter </span>
Gustav Klimt hatte für das Vorarlberger Paar Eugenie (geb. Bertolini) und Julius Rhomberg eine Glückwunschkarte geschaffen.  natter

Klimts Grüße zum Hochzeitstag

Dass das Vorarlberger Unternehmerpaar mit Gustav Klimt bekannt war, bezeugt auch eine Glückwunschkarte. Das Datum, der 5. August 1895, nennt den Hochzeitstag der beiden. Die Abkürzung „Poin“ auf der linken Seite bezieht sich auf das Weinbeisl Poinstingl in der Wiener Neubaugasse, wo Klimt und Julius Rhomberg in „lustiger Abendgesellschaft“ verkehrten. Interessant ist dabei die Wiederentdeckung der fein ausgeführten Zeichnung mit Bleistift mit Goldhöhung. Laut Tobias Natter hatte Rhomberg selbstverständlich auch Kontakt zu Klimts Lebensgefährtin Emilie Flöge. Im Klimt-Werkverzeichnis ist übrigens auch eine Porträtzeichnung von Rhomberg angeführt, deren Verbleib leider unbekannt ist.

Der Brief ist mit dem 17. September 1900 datiert. <span class="copyright">Vorarlberger Privatsammlung</span>
Der Brief ist mit dem 17. September 1900 datiert. Vorarlberger Privatsammlung