Wo die Blockbuster-Methode zieht

Kultur / 12.03.2020 • 12:30 Uhr
Wo die Blockbuster-Methode zieht
Insgesamt 85.000 Besucher lockte die letzte Sommerausstellung „Friedensreich Hundertwasser – Traumfänger einer schöneren Welt“ in das Kunstmuseum am Lindauer Inselbahnhof. FLEMMING

In Lindau setzt man auf moderne Klassiker und lockt damit Tausende an.

Lindau, Wien Wäre das Haus nun nicht auch ein paar Wochen zu, könnte man Arbeiten von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) in Kombination mit jenen von Egon Schiele (1890-1918) im Leopold Museum in Wien sehen. Kurator Robert Fleck erläutert dort die Parallelen in den Arbeiten der beiden Künstler bzw. erklärt, inwieweit sich Hundertwasser auf Schiele bezieht. Fleck und der Hundertwasser-Stiftung haben die Kulturverantwortlichen in Lindau auch den größten Ausstellungserfolg der letzten Jahre zu verdanken. Nach stets gestiegenen Besucherzahlen zog der Österreicher im vergangenen Sommer – zugegebenermaßen bei etwas längeren Öffnungszeiten – rund 85.000 Interessierte an. Dabei hatte sich das Publikum zusätzlich darauf einzustellen, dass das zentrale Ausstellungsgebäude, das Haus zum Cavazzen, geschlossen blieb und ein Teil des alten Postgebäudes beim Bahnhof zum Kunsthaus umgestaltet wurde.

Geglücktes Experiment

Das Experiment ist geglückt und wird heuer mit einer Ausstellung fortgeführt, mit der man thematisch wieder an den Beginn der Serie anknüpft, die mit Picasso gestartet wurde und die Präsentation von Arbeiten von Paul Klee oder August Macke vorsah. Blockbuster-Schauen sind es also, mit denen Lindau das Publikum anlockt, bei genauer Betrachtung erwiesen sie sich aber allesamt als gut konzipiert und mit einem jeweiligen Kunstvermittlungsprogramm für ein breites Publikum und Schüler sorgfältig aufbereitet.

Künstler- und Liebespaar

Darin liegt wohl das Erfolgsrezept, das man heuer mit dem deutschen Künstlerpaar Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Otto Modersohn (1865-1943) fortsetzt. Die gezeigten Arbeiten stammen überwiegend aus Privatsammlungen. Beide gelten als Protagonisten der Moderne, wobei vor allem Paula die Rolle der kreativen Pionierin zukommt, die sich persönlich wie in ihrem Schaffen zu emanzipieren verstand. In der männlich dominierten Kunstgeschichtsschreibung fanden die Arbeiten der jung verstorbenen Künstlerin lange Zeit keine angemessene Beachtung. Das hat sich erst in den letzten Jahren geändert und wird in der Lindauer Ausstellung wohl Berücksichtigung finden.

Ausstellung mit Arbeiten von Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn vom 4. April bis 27. September im Kunstmuseum am Bahnhof in Lindau.