Wundersame Rückkehr eines Heiligen

Kultur / 06.03.2020 • 08:29 Uhr
Wundersame Rückkehr eines Heiligen
Der Kristberger Flügelaltar mit der Figur des hl. Georg im Zentrum wurde 1477/78 errichtet. VN/CD

Der Kristberger Flügelaltar hat seinen Georg: Ein Kleinod mit fragwürdiger Geschichte.

Silbertal, Bregenz Der Erwerb des Kristberger Flügelaltars, eines Kleinods sakraler Kunst aus dem 15. Jahrhundert, erfüllte die Sammlungsverantwortlichen im Vorarlberg Museum bereits vor einigen Jahren mit Stolz. Erwähnung fand es mit Sicherheit, aber so richtig betont wurde es damals in der Öffentlichkeit kaum, dass sich unter die drei zentralen Figuren ein Kuckuckskind gemischt hatte. Im Klartext: Der hl. Georg, der da im Mittelpunkt stand, war gar nicht jener Drachentöter, der dort hingehörte. Mittlerweile ist das Trio aber komplett. Die originale Mittelfigur, die in der Größe, Gestaltung und in der anmutigen Kopfhaltung den beiden anderen, nämlich Matthäus und Wolfgang, entspricht, konnte erst jüngst erworben werden. Und das ist eine besondere Geschichte.

Im 15. Jahrhundert

Der Altar wurde im Jahr 1478 in einer Memminger Werkstatt laut rückseitiger Beschriftung für Silberberg (wie Silbertal einst hieß) errichtet bzw. kann dem Umfeld der Bildhauerfamilie Strigel zugeordnet werden. Im Jahr 1887 wurde das Werk sogar auf der Vorarlberger Landesausstellung in Bregenz gezeigt, die Medien nahmen Anteil, es entstand auch ein Foto, das als Dokument Bedeutung erlangte. Schon viel früher, nämlich im Zuge der Barockisierung, erlosch in Silbertal das besondere Interesse an diesem Altar, er kam nach Kristberg. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Altar vom Pfarrer von Silbertal verkauft, um vor allem jene Schulden zu tilgen, die beim Neubau der Pfarrkirche entstanden sind. Das Werk kam somit in den Kunsthandel. In einem Beitrag im Vorarlberger Kirchenblatt werden Graz, Hannover oder Stuttgart als weitere Standorte aufgezählt. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde das Kunstwerk mehrmals bei Auktionen angeboten. Damals bemühte sich das Land Vorarlberg erfolglos um einen Rückkauf. Es blieb im Privatbesitz.

Ankauf

Im Jahr 2015 wurde der Flügelaltar dann auf einer Auktion in München angeboten. Das Vorarlberg Museum konnte das Werk mit Unterstützung des Landes, der Pfarre Silbertal und privater Geldgeber für 80.000 Euro erwerben. Der Altar wurde restauriert und konnte sogar für kurze Zeit in der Agatha-Kapelle in Silbertal ausgestellt werden. Die Vorderseite zeigt den hl. Daniel, den Schutzpatron der Bergknappen.

Ein Zufall

Dass der Altar nun wieder so zu sehen ist, wie das vor rund 130 Jahren der Fall war, ist mehr oder weniger dem Zufall zu verdanken, hat aber auch ein paar fragwürdige Komponenten. Jedenfalls berichtet Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg Museum in Bregenz, von einem Anruf eines Kunsthistorikers, der auf eine Auktion in Köln verwies, bei der die originale Georgsfigur angeboten wird. Der Rufpreis war laut Rudigier im einstelligen Tausenderbereich probat angesetzt, allerdings gab es mehrere Interessenten für das Stück. Bei 10.000 Euro hatte Rudigier Rücksprache mit Werner Döring, dem Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, gehalten, der das Vorarlberg Museum angehört, bei 40.000 Euro war die absolute Schmerzgrenze überschritten. Ein anderer Bieter erhielt den Zuschlag. Wie schon beim Erwerb des Altars versuchte man über das Auktionshaus mit diesem in Kontakt zu treten und erfuhr, dass dieser gar nicht zahlungsfähig war. Letztendlich konnte man die Figur um 32.500 Euro erwerben. Ein Beitrag von den Montafoner Gemeinden und des Landes sorgt dafür, dass das Museumsbudget nicht über Gebühr belastet wird.

„Der Altar ist nun wieder so komplett, wie er zuletzt vor 130 Jahren zu sehen war.“

Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg Museum

Auch wenn die Sache erfreulich ausgegangen ist, bleibt ein Nachgeschmack, denn dass das Vorarlberg Museum ein besonderes Interesse an diesem Stück hat, dürfte bei der Kölner Versteigerung klar gewesen sein. Es sind die Mechanismen bei Auktionen, dass die Preise nach oben getrieben werden, in diesem Fall auch ohne die erreichte Summe wirklich begleichen zu wollen.