Theaterstück über umstrittene Vorarlberger Malerin

Das Vorarlberger Landestheater widmet sich mit einer Uraufführung der Aufarbeitung des Lebens des NSDAP-Mitglieds Stephanie Hollenstein.
Lustenau, Bregenz Eine aufschlussreiche Ausstellung mit Arbeiten von Stephanie Hollenstein (1886-1944) wurde 2016 in Lustenau realisiert. Im Vorjahr fand die Malerin aus der Vorarlberger Gemeinde Erwähnung in der großen Ausstellung “Stadt der Frauen” im Wiener Belvedere. Im Zentrum standen dabei Arbeiten jener Künstlerinnen, die die Wiener Moderne oder die Kunst nach der Jahrhundertwende in Österreich mitgeprägt hatten, die aber in einer männlich dominierten Kunstgeschichtsschreibung lange Zeit kaum Erwähnung fanden. In Vergessenheit geraten waren auch oft die Leistungen jener Künstlerinnen, die als Jüdinnen den Verfolgungen der Nazis ausgesetzt waren, ins Exil getrieben oder ermordet wurden. Stephanie Hollenstein stand auf der anderen Seite. Die Vorsitzende des Künstlerverbandes bzw. der Vereinigung der bildenden Künstlerinnen der Reichsgaue der Ostmark hatte sich nicht nur mit dem Regime arrangiert, sie teilte die menschenverachtende Ideologie, etwa den Rassismus und Antisemitismus, unterwarf sich aber nicht den vorgegebenen Richtlinien der Malerei, sondern verfolgte weiterhin einen weitgehend expressionistischen Malstil.
Komplexe Thematik
Damit fand sie Aufnahme in die erwähnte Ausstellung im Belvedere, in der die Position von Stephanie Hollenstein oder die Komplexität des Themas auch dadurch hervorgehoben wurde, dass unweit ihrer Arbeiten etwa jene von Friedl Dicker (1898-1944) präsentiert wurden. Die enorme kreative Leistung dieser einstigen Studentin am Bauhaus im Bereich der bildenden Kunst, des Designs und der Architektur wurde zum 100-Jahr-Jubiläum dieser Einrichtung gerade wieder in den Fokus gerückt. Dicker wurde im KZ Auschwitz ermordet. In welchem NS-Vernichtungslager Helene von Taussig (1879-1942) ums Leben kam, darüber gibt es verschiedene Angaben, die Verfolgung und Deportation der österreichischen Künstlerin ist ebenso belegt wie das Ringen ihrer Erben um ihren Nachlass, den die Nazis in Besitz genommen hatten. Im Nachkriegsösterreich hatten die Angehörigen der Opfer des einstigen Terrorregimes noch sehr lange sehr schlechte Karten.

Dieses erschreckende Bild lässt auch Thomas Arzt antönen, der nun im Auftrag des Vorarlberger Landestheaters das Stück “Hollenstein, ein Heimatbild” verfasst hat. Von “aufstrebenden, wagemutigen und lebenshungrigen Künstlerinnen” lässt Arzt dabei Helene Taussig sprechen, in deren Umfeld Stephanie Hollenstein einst auftauchte. Es war ein Umfeld, in dem man sich in einer jungen Republik zumindest für kurze Zeit frei fühlen konnte. Was die Malerin aus Lustenau, die in ihrer sexuellen Orientierung zudem so gar nicht dem damals geforderten Frauenbild entsprach, dennoch zu einer glühenden Anhängerin des Nationalsozialismus werden ließ, ist wohl nie ganz zu ergründen. Arzt, der sich in seinen dramatischen Arbeiten schon mehrfach mit Biografien beschäftigte und von dem im Vorjahr in Bregenz ein Beitrag zu historischen Anschlussbestrebungen in Vorarlberg aufgeführt wurde, sucht und findet zumindest teilweise Antworten in einem Umfeld in Lustenau bzw. Dornbirn, in dem sich etwa Textilunternehmer längst mit dem Regime in Deutschland anfreundeten und in dem der Antisemitismus ohnehin allgegenwärtig war. Die Begründung allein in der beruflichen Situation zu finden, wäre ja auch zu einfach.
Diskussionsgrundlage
Nachdem auch der Vorarlberger Bildhauer Albert Bechtold (1885-1965) auftritt, dem Stephanie Hollenstein in ihrer Funktion schließlich Anpassung als Überlebensstrategie nach der Absetzung von der Hochschulleitung empfahl, bietet die Produktion wohl gute Diskussionsgrundlagen. Die Bewertung der Künstlerin ist in Vorarlberg längst nicht mehr von Verdrängung der Tatsachen gekennzeichnet. Allerdings hat man sehr lange dazu gebraucht, wie Oliver Heinzle im Zuge der erwähnten Ausstellung von 2016 feststellte. Das Magazin mit den Hollenstein-Arbeiten in Lustenau bietet somit auch einige Themen für begleitende Veranstaltungen zum Theaterprojekt.
Premiere von “Hollenstein, ein Heimatbild” von Thomas Arzt am 6. März, 19.30 Uhr im Theater am Kornmarkt in Bregenz. Aufführungen bis 19. April: landestheater.org