Denkanstöße in äußerst reizvollem Rahmen

Die Montforter Zwischentöne schufen Großartiges mit Musik, Bildern und Worten.
Feldkirch Es war alles dabei: Vogelstimmen wunderschöner bzw. kunstvollster Art, Klänge, die zurück in die Barockzeit führten oder die Populärmusik aus den Vereinigten Staaten streiften, dazu ein Referat mit höchst komplexem Inhalt sowie ein altes Märchen, und wer ganz genau hinsah oder sich mit hochgotischen französischen Kathedralen beschäftigt hatte, der erblickte auch Motive der Glasfenster von Notre-Dame de Chartres. Das alles gab es ohne Zeit- und Raumverschiebung schön zusammengefasst im Alten Hallenbad in Feldkirch. Dort haben sich in diesen Tagen die Montforter Zwischentöne eingenistet. Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde haben die neue Programmreihe dem Motto „(sich)verlieren“ verschrieben und bieten akkurat nach dem Faschingsende gleich drei Begräbnisse.
Der Peinlichkeit, die sich beispielsweise einstellt, wenn der Fasching eingesargt wird oder wenn man den Verlust mancher Dinge am Rande von Tabus bebildert, entgeht man nicht ganz. Wer eine Beerdigung als singulären Akt sieht, bei dem von einem Menschen Abschied genommen werden muss, den beschleicht beim Eintritt in die eigens installierte Kapelle ein mulmiges Gefühl. Aber gut, die Architekten Helmut Dietrich und Hubert Dworzak sowie ihre Mitarbeiterin Christina Schlüter haben ein Veranstaltungspodium entworfen, das ob seiner Ästhetik sofort einnimmt: Mit einem Durchgang, der symbolisiert, dass man den Alltag draußen lässt, mit Stützpfeilern aus Baustellenmaterial, die so positioniert sind, dass man den Eindruck von Säulenhallen erhält und mit einem Triptychon im entsprechend großen Format. Bevor man die meist biblischen Motive alle einzeln ausgemacht hat, beginnt sich das Figürliche aufzulösen, es entstehen sagenhaft schöne Ornamente oder eine florale Musterung. So eindrucksvoll und so schön können also verschiedene Kulturkreise eingefangen werden.
Klug und begeisternd
Augustin Jagg, Leiter des Bregenzer Theaters Kosmos, konfrontiert mit guter Rezitatorenstimme mit einem alten Märchen. Drei Gesellen haben schon fast die ganze Welt erkundet und erblicken am Horizont einen Berg, hinter dem sie das Paradies vermuten. Der erste klettert hoch, lässt lediglich ein breites Lächeln sehen und ist fortan nicht mehr gesehen. Dem zweiten ergeht es gleich. Den dritten bindet die erwartungsvolle Menge fest. Er lächelt ebenfalls, ist aber außerstande, vom Gesehenen zu berichten, denn er ist verstummt.

Mit der Ungewissheit soll man achtsam und sorgsam umgehen, sie sollte uns bewusst sein, aber sie ist zu akzeptieren, erklärt Alice Lagaay, Professorin für Kulturphilosophie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Sie war die erste Trauerrednerin in dieser Reihe.
Nach dem Begräbnis der Gewissheiten sorgt Peter Schaar, Bundesdatenschutzbeauftragter von Deutschland, für das Begräbnis der Privatsphäre. Philosoph Thomas Macho hält am Freitag die Trauerrede beim Begräbnis der Muße. Dass die Utopie stärker sei als die Wirklichkeit, wie es in einer „Fürbitte“ hieß, dem braucht man als Zweifler ja nicht zuzustimmen. Man hält sich lieber begeistert an die Musik, dargeboten vom Vienna Reed Quintett.
28. Februar, 19 Uhr, “Das Begräbnis der Muße”, Trauerrede des Philosophen Thomas Macho mit Musik des Vienna Reed Quintet.