Her mit diesen Stücken

„Owe den Boch“, eine österreichische Tragikomödie mit Poesie und Witz.
Bregenz Wer den Stücktitel „Owe den Boch“ eher nördlich verortet hat, der lag dieses Mal falsch. Die Theaterallianz, diese lockere Kooperation von Mittelbühnen in den Bundesländern, bietet als besonders wertvollen Pluspunkt auch die Begegnung mit junger österreichischer Literatur. Deutlich wird das beim gegenwärtigen Gastspielreigen, den das Theater Kosmos in Bregenz bietet. Auf die Autoren Thomas Arzt und Ferdinand Schmalz folgte nun Antonio Fian und zum Schluss tritt – endlich – eine Frau auf: Miroslava Svolikova hat den letzten Stückewettbewerb der Allianz gewonnen. „Der Sprecher und die Souffleuse“ wurde vom Theater am Lend in Graz produziert und wird am 26. und 27. Oktober in Bregenz gezeigt.
„Owe den Boch“ wurde vor rund zwei Jahren vom Klagenfurter Ensemble uraufgeführt, an Aktualität hat das Schauspiel oder das Dramolett Fians, das konkret die Zeit von 2003 bis 2016 durchläuft, nichts eingebüßt. Ob es an der Realisierbarkeit scheiterte oder nicht, dass dieser Kärntner See über dem Steg, auf dem sich das Drama zweier junger Männer abspielt, nicht mehr als geflutetes Podium, sondern nur noch in drei, vier Kübeln präsent ist, macht es nur noch deutlicher: Die Hoffnungen Jugendlicher bzw. junger Erwachsener, die die Politik einst befeuerte, ging – um auf den Dialekt-Titel anzuspielen – noch weiter den Bach hinunter.
Treffend
Weder Fian noch Rüdiger Hentzschel, verantwortlich für Regie und Ausstattung, beschwören jedoch die Depression. Die Kerle, die daran glaubten, dass sich mit GTI-Treffen, Beachvolleyball oder Fußball-EM ein lang anhaltender Aufschwung einstellt, lassen sich beim Bauchfleck beobachten. Man landet bei der Security, hangelt sich durch und raubt dem Betrachter ihrer Misere aufgrund eines wesentlichen Aspekts dann doch nicht die Hoffnung. Beide sind nämlich in der Lage ihre Entscheidungen bzw. ihr Leben halbwegs zu reflektieren, sie gewinnen darin sogar immer mehr und mehr Übung. Und somit ist es auch egal, wie viel Kärnten-Klischees Fian in diese eineinhalb Stunden packt, in denen viel und gut gesungen wird und in denen Kraft des Spiels von Michael Kristof-Kranzelbinder, Markus Schöttl und Nadine Zeintl die abgehackten Sätze und Wörter zur Poesie heranwachsen, die sich wunderbar über den Abend legt. Mögen das Riesenrad, der Eiffelturm, Big Ben, die Pyramiden etc., diese Minimundus-Schatten von der großen weiten Welt, am Ende auch untergehen wie – scheinbar – die Sonne, „Owe den Boch“ ist vom Inhalt und von der Ästhetik her ein dermaßen gutes, treffendes Stück, dass es völlig richtig war, es aus dem Klagenfurter Fundus zu holen, um es bis nach Bregenz zu schwemmen. Abgesehen davon sprüht es vor Witz, der erstens in der Theaterlandschaft ohnehin selten vorkommt und zweitens derart ansteckend ist, dass sich reichlich Lacher in den begeisterten Applaus mischten.
„Owe den Boch“, 24. Oktober, 20 Uhr, Theater Kosmos. Nächstes Gastspiel: „Der Sprecher und die Souffleuse“, 26. und 27. Oktober, jeweils 20 Uhr.


