Sinfonisches Blasorchester sorgte für frischen Wind

Kultur / 31.08.2019 • 10:00 Uhr
Sinfonisches Blasorchester sorgte für frischen Wind
Das Sinfonische Blasorchester Vorarlberg unter der Leitung von Thomas Ludescher. VN/STEURER

Galakonzert Crossing the Winds im Montforthaus beeindruckte auf ganzer Linie.

Feldkirch Nicht durch den Wind, sondern absolut mit dem Wind segelt das Sinfonische Blasorchester Vorarlberg (SBV). Wer daran auch nur den geringsten Zweifel hatte, konnte sich beim Galakonzert im Montforthaus ganz einfach selbst überzeugen. Danach sollten nämlich alle Zweifel ausgeräumt gewesen sein. Warum? Weil Thomas Ludescher mit seinen Musikern ganz einfach anspruchsvolle Blasmusik servierte, die manchmal von den Wegen der üblichen Hörgewohnheiten ausscherte, immer aber überzeugte.

Konzert-Schaufenster

Wie stellt man das nun am besten an? Nun, man stützt sich auf ein Orchester, das einfach trägt. Dass da auf die Musiker des Sinfonischen Blasorchesters Verlass ist, haben sie in einer Reihe von anspruchsvollen Konzerten immer wieder gezeigt. Genau diesem Orchester lasse man dann genügend Freiraum und stelle immer wieder einzelne Solisten quasi ins Konzert-Schaufenster. Das alles immer in Kombination mit anspruchsvollen und oft auch seltener zur Aufführung gebrachten Werken. Und dann braucht man natürlich auch den Mann, der alles zusammenhält. Das ist im Falle des Sinfonischen Blasorchesters Thomas Ludescher. Dass er seine Musiker immer wieder mal durch wilde Rhythmus-Achterbahnen jagt und sie in Sachen Präzision auf die Spitze treibt, ist ihm durchaus bewusst. Dass er dadurch seit Jahren die Grenzen des Machbaren immer wieder gekonnt ein Stückchen weiter ausdehnt, weiß er auch.

Explosiver Start

„Crossing the Winds“, das aktuelle Konzert des Blasorchesters, genauso aber auch der damit kombinierte Wettbewerb, bei dem sich heute vier Blasorchester dem Voting der Jury und des Publikums stellen werden, stehen da absolut in der Tradition des SBV. Und diese Tradition setzten Ludescher und Orchester gleich mit einem explosiven Start um. Den lieferten sie mit Stephen Melillos „godspeed!“ – und da trumpfte das Schlagwerk ordentlich auf. Dann der schnelle Themenwechsel hin zu Bach, der unter der Feder von Donald Grantham durchaus seinen Hang zur sinfonischen Blasmusik durchschimmern ließ. Das lag auch an Michael Plagg am Klavier, der der geballten Kraft des Orchesters zu trotzen verstand. Von Bach dann zu Ligeti, der mit drei Arien aus seiner Oper „Le Grand Macabre“ den heimlichen Höhepunkt des Konzertabends lieferte. Bei Ligeti konzentriert sich die Musik immer wieder clusterartig und bildet damit die Bühne für den formenreichen und die Sprechmelodie nachzeichnenden Gesang. Den lieferte hier die Sopranistin Maria Erlacher, die mit Ligeti dann auch kurzfristig Maestro Ludescher den Platz am Pult streitig machte.

Überhaupt, das Konzert ließe sich auch einfach als eine Perlenkette beschreiben, entlang derer sich ein Höhepunkt mit dem nächsten abwechselte und das dabei doch immer abwechslungsreich und überraschend blieb. So drückte Ludescher mit John Adams „Short Ride in a Fast Machine“ ordentlich aufs Gaspedal, wechselte dann mit Auszügen aus „On the Town“ zu einem typischen Bernstein und streute zum großen Finale noch etwas an „Riverdance“ – von Bill Whelan – darüber. Bezeichnend und Markenzeichen des Orchesters war der federleichte Wechsel zwischen Soli und dem großen Ganzen, das sich mal als eleganter Begleiter im Hintergrund hielt und dann wieder kräftig nach vorne spielte. Dabei muss eine Komposition noch eigens erwähnt werden, die in gewisser Weise auch den Drehpunkt des Konzerts ausmachte: Oliver Waespis „Audivi Media Nocte“. Dabei traten die fünf Solisten (Andreas Zimmermann, Markus Peter, Bernd Geser, Bob Sibich, Stephan Gerblinger) in wechselnder Formation gegen und mit dem Orchester an. Rhythmisch unglaublich tückenreich und anspruchsvoll, was die Dynamik betrifft durfte man hier erleben, welche Meilensteine sinfonische Blasmusik heute zu setzen weiß.

Kein Wunder, dass sich Ludescher und sein Orchester nach einem aufregenden Konzertabend unter großem Applaus vom Publikum im Montforthaus verabschiedeten – natürlich nicht ohne Zugabe. Wer das Konzert verpasst hat, der kann diesen Fehler in den nächsten Tagen etwas ausgleichen. Während heute vier internationale Blasorchester im Montforthaus zum Wettbewerb antreten, spielen sie am Sonntagvormittag in der Feldkircher Innenstadt auf. Ein Besuch ist auf jeden Fall hörenswert. Veronika Fehle