Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

War das „mein Bregenz“?

Kultur / 27.07.2019 • 14:59 Uhr

Ich muss vorausschicken, dass ich mich in Bezug auf Fernseh-Produktionen des ORF üblicherweise der Stimme enthalte. Zu lange war ich selbst dabei, als dass ich heute öffentlich Kritik üben wollte. Aber wie bei allen Prinzipien gibt es auch hier eine Ausnahme: Über den am vergangenen Wochenende ausgestrahlten sogenannten Dokumentarfilm „Mein Bregenz“ kann man nicht schweigen. Zu einfach hat es sich Regisseur Felix Breisach gemacht, indem er mit drei Personen aus dem künstlerischen Leben die Stadt vorstellen wollte. Dabei ist es nicht an Sabine Haag, Céline Roschek oder Gottfried Bechtold gelegen, gescheitert ist der Film an der Einfallslosigkeit von Breisach. Es genügt eben nicht, belanglose Gespräche zu führen und alte Aufnahmen völlig beliebig mit neuen zu mischeln, ohne dahinter ein Konzept erkennen zu lassen. Das macht zwar wenig Arbeit für den Regisseur, bringt dafür aber auch nichts für die Zuseher.

„Was uns da an Einfallslosigkeit zugemutet wurde, war schlicht erschreckend.“

Sabine Haag, aus Wolfurt stammende Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, hätte sicher viel zur Entwicklung von Bregenz von der verschlafenen Kleinstadt der Fünfzigerjahre bis zur heutigen Kulturmetropole am Bodensee erzählen können. Stattdessen aber führte sie Breisach an den Ort ihrer Kindheit, nach Wolfurt, dort in die Schule und in die Kirche. Nicht sehr erhellend für „mein Bregenz“. Auch Gottfried Bechtold, seit Jahrzehnten einer der führenden bildenden Künstler in Österreich, hätte manches über die kulturelle Entwicklung der Stadt und des Landes beitragen können. Schließlich kamen von ihm maßgebliche Arbeiten, die im Land einigen Staub aufgewirbelt hatten. Und schlussendlich hätte wohl auch die Geigerin Céline Roschek mehr bringen können, als in der Wiese am Pfänder sitzend von ihrer Familie zu erzählen.

Was uns da an Einfallslosigkeit zugemutet wurde, war schlicht erschreckend. Es war auch ärgerlich, weil damit eine Möglichkeit vertan wurde, Bregenz in seiner erstaunlichen Entwicklung von der Operettenseligkeit der Festspiele noch in den Siebzigerjahren bis zum heutigen Weltfestival am See mit großartigen Inszenierungen zu zeigen. Weil auch nicht darauf hingewiesen wurde, wie das Kunsthaus das Leben in Bregenz und Vorarlberg verändert, wie es diese Stadt offener gemacht hat.

Es wäre einfach gewesen: Breisach hätte sich Hilfe von Damen und Herren aus dem Landesstudio Vorarlberg holen sollen, die hätten ihm zeigen können, wie man Bregenz präsentieren kann. Die machen hier nämlich nicht Urlaub, die kennen sich tatsächlich hier aus.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.